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Unternehmen berichten : Die Angst vor dem Wassermangel wächst

Risse auf dem Grund eines abgelassenen Karpfenteiches vor dem Hintergrund des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) Bild: ZB

Das globale Wasserziel ist noch lange nicht erreicht. Dafür sind auch Unternehmen verantwortlich. Sie selbst sehen sich immer stärker wasserbezogenen Risiken ausgesetzt – doch der Verbrauch steigt weiter.

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          An diesem Freitag ist Weltwassertag. Während in den Industrienationen allein in den ersten Stunden des Tages Millionen Liter frisches und sauberes Wasser durch die Leitungen geflossen sind – für die warme Dusche nach dem Aufstehen, den Kaffee am Morgen und die gründliche Zahnpflege – hatten den Vereinten Nationen (UN) zufolge 884 Millionen Menschen auf dieser Welt nicht einmal eine Grundversorgung mit Wasser. Für 2,1 Milliarden Menschen kam das Wasser dreckig oder verseucht aus dem Hahn oder dem Fluss. Zwar sind mehr als zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt. Doch nur 0,3 Prozent davon sind trinkbar und diese sind zudem sehr ungleich über den Planeten verteilt.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Weltweit werden jährlich rund 4000 Kubikkilometer Frischwasser entnommen. Davon werden etwa 70 Prozent im Agrarsektor und 20 Prozent in der Industrie (inklusive Energieproduktion) verbraucht. Rund 85 Prozent des industriellen Abwassers fließt unbehandelt in die Umwelt zurück. Um das von den UN gesteckte sechste Entwicklungsziel (SDG 6) zu erreichen – Zugang zu nachhaltigem Wasser und sanitäre Grundversorgung für alle – führt also kein Weg an der Wirtschaft vorbei, nicht zuletzt, weil der Klimawandel die Wasserknappheit noch verschärfen wird. 

          Dass Wassersicherheit auch im Interesse der Unternehmen ist, zeigt ein neuer Bericht, den die Non-Profit-Organisation CDP am Freitag in London vorstellt und welcher der F.A.Z. vorab vorlag. Darin werden die Wasserdaten von rund 800 börsennotierten Unternehmen untersucht – darunter auch 29 deutsche und 17 Dax-Konzerne – und deren Wassermanagement mit Noten von A bis F bewertet. Die teilnehmenden Unternehmen haben ihre Daten freiwillig für die Analyse bereitgestellt. Die Angaben sind öffentlich einsehbar, außer ein Konzern möchte sie unter Verschluss halten. Um die Richtigkeit der Daten zu garantieren, werden bessere Noten vergeben, wenn Unternehmen ihre Informationen extern überprüfen lassen. Und weil auch Investoren Zugang zu den Daten haben, könnten diese die Konzerne zur Rechenschaft ziehen, argumentiert CDP.

          Deutsche Unternehmen mit Bestnoten

          Dem Bericht zufolge ist die Anzahl der Unternehmen, die Wasserrisiken für ihr Geschäft identifiziert haben, seit 2015 gestiegen: 75 Prozent der 269 Unternehmen, die in den vergangenen drei Jahren regelmäßig Daten an CDP übermittelt haben, gaben an, durch „beträchtliche wasserbedingte Schäden“ gefährdet zu sein. Vor drei Jahren waren es noch 70 Prozent. Die Gefahren äußerten sich zum Beispiel in Wassermangel und einer abnehmenden Wasserqualität, störten die Produktion, schadeten der Marke und führten in manchen Regionen zum Verlust der Betriebslizenz. So kostete beispielsweise das Niedrigwasser im Rhein im Dürresommer 2018 0,2 Prozentpunkte der deutschen Wirtschaftsleistung. Auf insgesamt 38 Milliarden Dollar beziffern die Unternehmen die durch Wasserprobleme verursachten finanziellen Verluste im Jahr 2018; die Autoren gehen aber von einer weitaus größeren Dunkelziffer aus. 

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