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Berliner Flughafen : Der unerschütterliche Herr Mehdorn

Hartmut Mehdorn bleibt vorerst Geschäftsführer des BER. Bild: dpa

Auf der Berliner Flughafenbaustelle geht es kaum voran. Schon wird spekuliert, ob Mehdorn auf seinem Posten bleibt. Die Gesellschafter halten nun trotz reichlich Kritik an ihm fest - zumindest vorerst.

          3 Min.

          Der Ärger der Politik über den Berliner Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hat sich am Freitag aufs heftigste entladen: In einem Treffen der Gesellschafter – Berlin, Brandenburg und der Bund – musste sich Mehdorn reichlich Kritik an seinem Krisenmanagement anhören und Fragen zum mangelnden Baufortschritt gefallen lassen. Schon im Lauf der Woche war der Streit zwischen Mehdorn und der brandenburgischen Landesregierung eskaliert. Deswegen wurde darüber spekuliert, ob der 71 Jahre alte Manager überhaupt auf seinem Posten bleiben werde. Nach der Krisensitzung im Roten Rathaus steht jetzt fest: Die Flughafen-Gesellschafter halten trotz der neuen Schwierigkeiten an Mehdorn fest – zumindest vorerst.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte: „Herr Mehdorn hat unser Vertrauen. Er ackert mit allen Kräften, dass dieses Projekt zum Erfolg geführt wird.“ An dem Treffen nahmen neben Flughafen-Aufsichtsratschef Wowereit und Mehdorn auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba, teil. „Wir sind uns einig, dass wir ein gemeinsames Ziel haben: den Flughafen so schnell wie möglich fertigzustellen“, betonte Wowereit.

          Selbst eine Verzögerung bis 2016 ist nicht mehr unwahrscheinlich

          Die Hoffnung auf eine rasche Inbetriebnahme des „BER“ haben Geschäftsführung und Aufsichtsrat gleichwohl aufgegeben. Wowereit sagte, es werde auch in der nächsten Aufsichtsratssitzung im April keinen neuen Eröffnungstermin geben. Mehdorn selbst hatte in einem Brief an die brandenburgische Landesregierung angedeutet, dass eine Verzögerung bis 2016 nicht mehr unwahrscheinlich sei. Er selbst denkt nach eigenem Bekunden trotz der andauernden Rückschläge nicht an Rückzug, obwohl er das Rentenalter längst erreicht hat. Ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte am Freitag, Mehdorn habe auch das Vertrauen des Bundes, müsse aber „für Verbindlichkeit sorgen“. Dem Aufsichtsrat müsse er im April Auskunft geben „über Baufortschritt, Kosten und Zeithorizont des Projekts“.

          Mehdorn hatte in dem Brief an die brandenburgische Landesregierung angekündigt, dass die geplante Sanierung der Nordbahn, die derzeit für den Betrieb des alten Schönefelder Flughafens genutzt wird, um ein Dreivierteljahr auf das Frühjahr 2015 verschoben werden müsse, weil der Lärmschutz für die Anwohner nicht rechtzeitig fertig werde. Kurz vorher hatte er schon den geplanten Probebetrieb am Nordpier abgesagt. Für die Verschiebung der Landebahn-Sanierung, die allerdings für die Eröffnung des neuen Flughafens nicht zwingend nötig ist, gibt Mehdorn den brandenburgischen Behörden die Schuld. Das Land hat sich den Schallschutz der Anwohner zur besonderen Aufgabe gemacht; in Brandenburg wird im September ein neuer Landtag gewählt.

          „Er muss liefern“

          Über den Konflikt kam es am Donnerstagabend vor dem Flughafen-Ausschuss des brandenburgischen Landtags zu einem Wortgefecht zwischen Mehdorn und Ministerpräsident Woidke. Mehdorn beklagte, das Schallschutzprogramm müsse nun von vorn beginnen, da es seit kurzem neue Auflagen zur Belüftung in den Wohnungen gebe. Zudem sei der Flughafen davon überrascht worden, dass den Anwohnern nach Bewilligung des Schallschutzes für den Einbau der Fenster sechs Monate Zeit zustehen. „Wir gingen davon aus, dass dies nur für den Vollbetrieb des Flughafens gilt. Und nicht, wenn die Südbahn mal fünf Monate so tut, als wäre sie die Nordbahn“, sagte Mehdorn. Die Südbahn ist als Teil des neuen Flughafens schon funktionsfähig; sie sollte die alte Landebahn ersetzen.

          Woidke entgegnete, die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Flughafen seien „seit Monaten und Jahren bekannt“. Er warf Mehdorn vor, mit dem Schallschutz einen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen. Hauptproblem sei nach wie vor die nicht funktionierende Brandschutzanlage im Terminal. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) verschärfte die Kritik an Mehdorn. „Er muss liefern“, sagte Görke im Rundfunksender RBB. Vor einem Dreivierteljahr habe der Manager angekündigt, eine Planung zur Inbetriebnahme des Hauptterminals und die Gesamtfinanzierung vorzulegen. Auf die Frage, ob Mehdorn bei weiteren Problemen eine Entlassung drohe, sagte er: „Darüber werden wir dann in den Gremien zu reden haben.“

          Auf der Flughafen-Baustelle geht es derweil kaum voran. Der Umbau der Brandschutzanlage stockt. Das Unternehmen Siemens hat immer noch nicht mit der Verlegung von Kabeln und Schaltkästen sowie den Arbeiten zur Steuerung der Entrauchungsanlage begonnen. Den Auftrag hatte Siemens im vergangenen Oktober erhalten. „Voraussetzung für den Beginn dieser Arbeiten sind der fristgerechte Abschluss von Arbeiten anderer Firmen und die finalen Unterlagen zur Entrauchungsmatrix vom Flughafen“, sagte ein Siemens-Sprecher. Diese läge aber nicht vor. Für die Arbeit hat Siemens einschließlich Tests und behördlichen Genehmigungen 18 Monate veranschlagt.

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