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Romanze am Arbeitsplatz : Gefährliche Liebe

Erst ist das Herz weg, dann der Job. Bild: F.A.Z.

Eine Affäre im Büro kann böse enden. Moral ist eine Waffe im Ränkespiel von Managern. Besonders im prüden Amerika sind die Unternehmen streng.

          7 Min.

          Worin liegt die größte Gefahr für einen Top-Manager, gefeuert zu werden? Nein, nicht mangelnde Leistung oder schlechte Zahlen sind es, die Konzernchefs ins Aus befördern, es ist die Liebe. Zu diesem gänzlich unromantischen Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsfirma PwC. Demnach wurden im vorigen Jahr in Amerika mehr Top-Manager aus moralischen Gründen aus dem Amt entfernt denn wegen geschäftlichen Versagens. So romantisch kann eine Liebe gar nicht sein, als dass sie nicht als Ansatzpunkt taugt, um einen Vorstandschef vor die Tür zu setzen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jüngstes Beispiel ist der Fall McDonald’s. Dort hat sich der Chef, ein Mann namens Steve Easterbrook, über beide Ohren verliebt, und es war um ihn geschehen. Als Quittung bekam er die Kündigung serviert. Das Verhältnis verstoße gegen die guten Sitten, lautete die Begründung aus dem Fast-Food-Konzern, der vor Jahrzehnten rein gar nichts daran auszusetzen hatte, dass der damalige Chef sein Herz an die Chefin einer McDondald’s-Filiale verloren hat. Die Zeiten ändern sich. Und im traditionell prüden Amerika haben sich die Sitten seit der „me-too“-Debatte nochmals verschärft. Seither wurden die Regeln neu geschrieben. Selbst die einvernehmliche Beziehung zwischen erwachsenen Menschen wurde zu einer heiklen Angelegenheit, sofern die beiden denselben Arbeitgeber haben. So verbietet der Verhaltenskodex von McDonald’s – wie in amerikanischen Firmen heute üblich – Liebeleien mit „dienstlich direkt oder indirekt unterstellten Personen“. Darunter fallen bei einem CEO natürlich alle Mitarbeiter. Easterbrook hat niemanden, so viel sei klargestellt, bedrängt, begrapscht oder genötigt, seine Affäre war nicht ein Hauch moralisch anstößig, der Mann ist geschieden. Trotzdem räumte er vorige Woche direkt seinen Platz und entschuldigte sich für sein Fauxpas in einer E-Mail an die Belegschaft: „Das war ein Fehler.“

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