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Merkel-Biographie : Preußische Hausfrau

Vorsprung durch Technik: Als Pressesprecherin des „Demokratischen Aufbruch“ schwärmte Angela Merkel 1990 von dem „phantastisch anmutenden Konzept, die Wirtschaft nur noch über den Wettbewerb und über den Markt zu steuern“. Bild: Reuters

Auf dem Leipziger Parteitag 2003 brach Angela Merkel mit dem konservativen Sozialstaat. Darauf kam sie nie wieder zurück. Ein Vorabdruck.

          8 Min.

          Für die SPD übernahm der Parteivorsitzende Franz Müntefering die Aufgabe, die Realitäten zu akzeptieren und der CDU-Vorsitzenden zum Amt der Bundeskanzlerin zu verhelfen. Merkel fragte an, ob man sich unterhalten könne. Am 9. Oktober 2005, exakt drei Wochen nach der Wahl und dem selbstbewussten Auftritt des amtierenden Bundeskanzlers in der Elefantenrunde des Fernsehens, trafen sich die beiden Nüchternen am späten Nachmittag im Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestags, wo ihre Büros übereinander lagen, unter vier Augen.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Müntefering eröffnete seiner Kollegin von der Union, das zentrale Hindernis für ein mögliches Regierungsbündnis sei deren Idee einer Neuen Sozialen Marktwirtschaft, also einer Generalrevision des bundesdeutschen Wohlfahrtsstaats. Wenn sie in der Lage sei, davon Abstand zu nehmen, könne man im Gespräch bleiben. Merkel reagierte auf ihre Art. Sie sagte weder Ja noch Nein, sondern schaute den SPD-Kollegen an und fragte nur: „Wann können wir uns treffen?“ Damit war das Thema erledigt. Sie kam nie wieder auf den radikalen Umbau des Sozialstaats zurück, den sie auf dem Leipziger Parteitag zwei Jahre zuvor propagiert hatte.

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