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Drittes Hilfspaket für Hellas : Wie viel Geld brauchen die griechischen Banken?

  • Aktualisiert am

Nach der wochenlangen Schließung griechischer Banken vorbei: Die Kapitalflucht Bild: Reuters

Für die großen griechischen Banken sind im neuen Hilfspaket bis zu 25 Milliarden Euro eingeplant. Doch wie groß ist ihr Kapitalbedarf wirklich? Und warum werden die Einlagen der Sparer nicht angetastet?

          Die griechischen Banken brauchen neues Kapital. Viele der von ihnen vergebenen Kredite sind vom Ausfall bedroht, Schätzungen zufolge gilt das vielleicht sogar für die Hälfte. Im Rahmen des neuen Hilfspakets soll dieses Problem gelöst werden. Die Banken sollen saniert, womöglich abgewickelt oder miteinander fusioniert werden und jedenfalls so weit in Ordnung gebracht werden, dass der griechische Staat im Idealfall seine Beteiligungen an ihnen für viel Geld verkaufen kann.

          Brisant ist die Frage, wie viel Geld dafür (zunächst) vom Euro-Rettungsfonds als neuer Kredit an Griechenland fließen wird und wie viele Mittel dadurch zusammenkommen, dass Gläubiger der Banken selbst herangezogen werden. Als sicher gilt, dass sie den deutlich kleineren Beitrag leisten. Denn die Euro-Finanzminister haben beschlossen, dass klassische Sparer und ihre Einlagen (anders als bei der Rettung Zyperns) dieses Mal nicht einbezogen werden sollen. Viele von ihnen haben ihr Geld in den vergangenen Monaten abgehoben und die Gläubiger wollen sie durch diesen Schutz dazu animieren, das Geld zurück zur Bank zu bringen.

          Notfallkredite von der EZB

          Übrig bleiben und haften werden nun die Halter griechischer Bankanleihen. Deren Kurse sind am Montag kräftig gefallen. Überwiegend übernimmt die Risiken somit (zunächst) der europäische Steuerzahler.

          Für die großen griechischen Geldhäuser National Bank of Greece, Alpha Bank, Piräus Bank und Eurobank fließen zunächst 10 Milliarden Euro auf ein spezielles Konto des Euro-Rettungsfonds ESM. Danach werden die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) deren Bilanzen prüfen auf faule Kredite und einen Stresstest durchführen. Im Anschluss daran soll der Kapitalbedarf feststehen. Noch vor dem 15. November sollen dann je nach Bedarf weitere bis zu 15 Milliarden Euro fließen.

          Seit Jahresanfang haben die griechischen Bankkunden aus Angst vor einem Euroaustritt und der Wiedereinführung der Drachme Einlagen über 45 Milliarden Euro abgezogen von ihren Konten. Andere Banken zogen Mittel von 35 Milliarden Euro ab. Ohne die Kredite der EZB und des Eurosystems, überwiegend in Form der Notfallkredite Ela, über insgesamt 125 Milliarden Euro wären die griechischen Institute längst zusammengebrochen. Zumindest hat sich nach der wochenlangen Schließung der griechischen Banken und der Einigung auf ein drittes Rettungspaket die Kapitalflucht nicht fortgesetzt. Darauf deuten Aussagen eines griechischen Notenbankvertreters hin.

           Fast schon in Vergessenheit geraten sind indes die umfangreichen Hilfen des ESM-Vorgängers EFSF im Jahr 2012. Nach dem Schuldenschnitt, infolgedessen private Gläubiger auf Forderungen von 100 Milliarden Euro gegenüber dem griechischen Staat verzichten mussten, wurden die Banken mit 37 Milliarden Euro durch EFSF-Mittel rekapitalisiert. Dabei übertrug der EFSF Anleihen an den griechischen Bankenrettungsfonds HFSF, der diese Titel wiederum den Banken zur Verfügung stellte. Diese gaben dem HFSF im Gegenzug Aktien. Seitdem hält der Rettungsfonds die Mehrheit an den griechischen Banken.

          Der Einfluss des Staates macht sich auch bemerkbar, wenn es um das Volumen geht, mit dem Anleihegläubiger haften können. Denn die Summe dieser von den vier großen griechischen Banken begebenen Schuldtitel beträgt 57,6 Milliarden Euro. Doch Anleihen über 53,2 Milliarden Euro werden vom griechischen Staat garantiert, ansonsten hätten die Banken am Markt kein Geld erhalten. Diese garantierten Anleihen werden nun nicht betroffen sein, erwarten die Analysten der Royal Bank of Scotland.

          Jedoch rechnen sie wiederum auch nicht damit, dass die Banken den Höchstbetrag von 25 Milliarden Euro benötigen - selbst wenn der Stresstest zu einem deutlichen Anstieg der notleidenden Kredite führen sollte, erwarten sie einen Kapitalbedarf von 13,2 Milliarden Euro.

          Hier stellt sich natürlich die Frage, warum dann die reichen Bankkunden und ihre Einlagen geschont werden. In Zypern war das nicht der Fall, dort wurden die Einlagen, die über der gesetzlich garantierten Summe von 100.000 Euro lagen, herangezogen. So müssen zunächst die europäischen Steuerzahler Risiken tragen.

          Doch alle Kalkulationen sind derzeit sehr gewagt. Denn neben der Frage, wie viele Kredite faul sind, kommen Zweifel hinzu am Eigenkapital der Banken: Sogenannte latente Steuerforderungen gegenüber dem Staat, der ohne das neue Rettungspaket zahlungsunfähig wäre, machen 12,8 Milliarden Euro oder fast die Hälfte des Eigenkapitals aus.

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