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Druckmaschinenhersteller : Insolvenzverwalter sucht neue Mittel für Manroland

Produktion in Augsburg Bild: dpa

Die Pleite von Manroland ist die größte Insolvenz in Deutschland seit rund zwei Jahren. Jetzt beginnt das Ringen um die Arbeitsplätze. Der vorläufige Insolvenzverwalter will sich am Montagnachmittag erstmals öffentlich äußern.

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          Nach dem Insolvenzantrag des Druckmaschinenherstellers Manroland hat das Ringen um den Erhalt von möglichst vielen der 6500 Arbeitsplätze begonnen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider traf sich am Sonntag mit dem Vorstand in Augsburg, an diesem Montag will er sich erstmals öffentlich zu seinen Plänen äußern. Vordringlichste Aufgabe von Schneider ist die Beschaffung eines Massekredits, damit das Unternehmen seine laufenden Aufträge sicherstellen und Lieferanten bezahlen kann.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Experten gehen davon aus, dass der vergleichsweise geringe Kredit kein Problem darstellt, im Zweifel könne man diesen über Landesbanken absichern. Manroland ist seit Freitag zahlungsunfähig. Löhne und Gehälter übernimmt in den nächsten drei Monaten der Staat. Nach dieser Frist wird das Unternehmen abhängig von Schneiders Arbeit abgewickelt oder - wie angestrebt - das förmliche Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung eröffnet. Beobachter erwarten, dass Schneider, bekannt durch die Insolvenzen von Walter Bau und Trevira, weiter einen Investor für das Gesamtunternehmen sucht.

          Standorte von Manroland

          Die Rahmendaten in der Branche sind zwar schlecht, allerdings sei der drittgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt auch günstig zu bekommen. Bis auf 150 Millionen Euro Betriebsmittelkredite sei das Unternehmen entschuldet, außerdem könne ein Investor im Insolvenzverfahren leichter Stellen streichen, heißt es aus Schneiders Umfeld.

          In der Branche wird ein Komplettverkauf angesichts der Überkapazitäten allerdings skeptisch beurteilt. Während sich der Konkurrent Heideldruck, mit dem Manroland vor zwei Jahren erfolglos über eine Fusion gesprochen hatte, zunächst nicht äußerte, sagte der Finanzchef von Koenig & Bauer AG (KBA) der "Börsen-Zeitung", sein Unternehmen werde sich "sinnvollen Gesprächen über Allianzen nicht entziehen". Am Samstag meldete sich auch die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis zu Wort, mit der die Alteigentümer Allianz und MAN über einen Einstieg verhandelt hatten. Capvis-Partner Daniel Flaig machte die Mitte November zugesellten Zahlen für das Scheitern verantwortlich. Sie hätten deutlich unter Plan gelegen, die Restrukturierung wäre hingegen deutlich teurer geworden als geplant. Deshalb habe man die seit September laufenden Gespräche beendet. Wer genau Schuld trägt, ist unklar. Angeblich waren Allianz und MAN zu einer kleinen Finanzspritze bereit. Von deren Seite wird die fehlende Bereitschaft der Banken zu einem langfristigen Kredit als Ursache für den Abbruch genannt.

          Bayern Wirtschaftsminister Zeil in Augsburg

          Unterdessen hat sich an allen drei Werksstandorten, Augsburg, Offenbach und Plauen, die Politik eingeschaltet. Nach einem Krisentreffen von Lokalpolitikern und Gewerkschaften am Samstag ist an diesem Montag der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) in Augsburg - dem mit 2400 Beschäftigten größten Standort -, um das weitere Vorgehen auszuloten.

          Bei dem Treffen haben Politik und Wirtschaft eine enge Zusammenarbeit vereinbart. „Wir werden jetzt alles tun, um schnell hier zu Zukunftsperspektiven zu kommen“, sagte Zeil nach dem Treffen. Es habe bei dem Gespräch „durchaus Signale der begründeten Hoffnungen“ für eine Zukunft des Unternehmens gegeben. An dem Treffen im Augsburger Rathaus nahmen neben Zeil auch der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider, Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Griebl (CSU), Vertreter der Gesellschafter von Manroland, vom Unternehmen selbst, von der Bundesagentur für Arbeit sowie Arbeitnehmervertreter teil.

          Krisentreffen im Augsburger Rathaus: Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP, M.), Ausgburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU, r.) und der Leiter der Arbeitsagentur in Augsburg, Reinhold Demel.

          Die SPD am hessischen Standort Offenbach, wo der Konzern ein Werk mit 1900 Mitarbeitern betreibt, sieht die Landesregierung in der Pflicht und verweist auf Staatshilfe, die Baden-Württemberg vor zwei Jahren dem Konkurrenten Heideldruck zuteilwerden ließ und der nur damit die Krise überlebte. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kündigte an, alles zu tun, um sich für den Standort Plauen mit seinen 726 Mitarbeitern einzusetzen.

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