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Ergebnis des Dieselgipfels : VW-Chef schließt Hardware-Nachrüstungen aus

  • Aktualisiert am

Große Runde in Berlin Bild: EPA

Fünf Millionen Diesel sollen mit einer neuen Software sauberer werden. Auf dieses Ergebnis haben sich Bund und Länder mit den Herstellern geeinigt. Ein Hersteller bietet darüber hinaus eine „Abwrackprämie“ an.

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          Mehr als fünf Millionen Dieselautos in Deutschland sollen mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen. Darin enthalten sind 2,5 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, für die schon Abgas-Nachbesserungen angeordnet wurden. Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) als ein Ergebnis des Dieselgipfels mit Bund und Ländern am Mittwoch in Berlin mit. Es handele sich um Fahrzeuge der Emissionsklasse Euro 5 und teilweise Euro 6.

          Baulichen Nachrüstungen bei Dieselautos, die über Software-Updates hinausgehen, erteilte Volkswagen-Chef Matthias Müller hingegen eine klare Absage. „Wir halten es im Grunde genommen für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen“, sagte Müller bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Chef Harald Krüger am Mittwoch nach dem Dieselgipfel in Berlin. „Einmal des Aufwandes wegen, aber auch, weil die Wirkung fragwürdig ist“, begründete er die Ablehnung.

          Die Maßnahmen seien freiwillig und deckten einen Großteil dieser moderneren Flotten bei den deutschen Herstellern ab. Ungefähr 8,6 Millionen Fahrzeuge aus diesen Klassen sind derzeit in Deutschland insgesamt zugelassen. Zu den geforderten Hardware-Nachrüstungen äußerte sich der VDA nicht.

          Ziel sei eine durchschnittliche Stickoxid-Reduzierung von 25 bis 30 Prozent der nachgerüsteten Fahrzeuge. Studien zeigten, dass damit die Schadstoffbelastung mindestens genauso stark reduziert werden könne wie durch Fahrverbote, hieß es beim VDA.

          Viel Prominenz auf dem Dieselgipfel: VW-Chef Matthias Müller neben Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Harald Krüger und VDA-Präsident Matthias Wissmann
          Viel Prominenz auf dem Dieselgipfel: VW-Chef Matthias Müller neben Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Harald Krüger und VDA-Präsident Matthias Wissmann : Bild: AFP

          Angeboten werden die Nachrüstungen von BMW, Daimler, Opel und Volkswagen. Für die Halter würden keine Kosten entstehen. Die Aktion soll auch keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben.

          BMW kündigte eine „Umweltprämie“ von bis zu 2000 Euro an für Kunden mit einem Dieselfahrzeug mit Euro-4-Abgasnorm oder älter an. Bedingung ist demnach der Erwerb eines BMW-Elektroautos i3, eines Plug-in-Hybrids oder eines Dieselwagens mit der Euro 6-Norm. Die Aktion soll bis Ende 2017 laufen. Von der Regelung sind etwa eine Million Fahrzeughalter betroffen.

          Vorstandschef Harald Krüger forderte die Rückkehr zu einer sachlichen Debatte über den Diesel. Zum Umweltschutz gehöre auch der Kampf gegen den Klimawandel. Der moderne Diesel stoße weniger CO2 aus als der Benziner und sei auch bei Feinstaub, Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid gleich gut oder besser.

          Aktien von Autoherstellern reagieren positiv

          Scharf wies Krüger Verdächtigungen zurück, BMW hätte bei Dieselabgasen geschummelt. Die BMW-Technik unterscheide sich deutlich von anderen im Markt. „Die Ergebnisse nationaler und internationaler behördlicher Untersuchungen haben bestätigt, dass Fahrzeuge der BMW Group nicht manipuliert werden“, betonte Krüger.

          Volkswagen will einschließlich der im Abgas-Skandal angeordneten Rückrufe rund vier Millionen Diesel-Autos per Software-Update nachrüsten. VW muss wegen des Skandals um manipulierte Dieselmotoren ohnehin über 2,5 Millionen Autos umrüsten – diese sind in den vier Millionen Fahrzeugen enthalten. Bislang ist früheren Angaben zufolge bei etwa 1,9 Millionen Autos das Update aufgespielt. Die Tochtergesellschaft Audi will nach Angaben von Ende Juli angesichts der Diskussion um Diesel-Fahrverbote europaweit bis zu 850.000 Fahrzeuge nachrüsten lassen, in Deutschland sind es rund eine halbe Million Autos, die ebenfalls zu den genannten vier Millionen zählen. Dazu kommen weitere etwa 900.000 Autos, die sich aus den VW-Transportern T5 und T6 überwiegend mit Euro-5-Abgasnorm sowie mehreren Modellen etwa von Seat oder Skoda zusammensetzen.

          Daimler will für alle Halter von Euro 1 bis Euro 4 den Käufern einen vierstelligen Betrag nachlassen, wenn ein neues Fahrzeug von Daimler erworben wird. VW will bis 2018 alle Fahrzeuge mit Motor nach Euro 5 oder Euro 6 nachrüsten, für Euro-5-Fahrzeuge soll eine Umweltprämie gezahlt werden. Was mit Euro-4-Fahrzeugen passiert, muss noch geklärt werden. Auch Ford will für ältere Dieselfahrzeuge (Euro 1 bis 3) eine Prämie anbieten, allerdings gibt es für Euro 4 keine Lösung. Bei Ford gibt es wohl für Fahrzeuge mit Euro-5-Motoren keinen wirkungsvolle Software-Lösung. Opel konnte auf dem Gipfel wegen der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern kein Angebot machen.

          Vor dem Treffen in Berlin hatte die Politik mehr Bewegung bei den Herstellern gefordert. „Die Automobilindustrie ist sich bewusst, dass sie erheblich an Vertrauen verloren hat“, räumte der Verband ein. BMW, Daimler und VW wollen sich an einem geplanten Fonds des Bundes für umweltfreundliche Mobilität in Städten beteiligen.

          Aktien der Automobilhersteller haben am Mittwochnachmittag leicht positiv auf ein Ergebnis des Dieselgipfels reagiert. Zuletzt stiegen Daimler um 0,84 Prozent, BMW um 0,42 Prozent und Volkswagen um 0,34 Prozent. Börsianer werteten es als erfreulich mit Blick auf die Branchenstimmung, dass mehr als fünf Millionen Diesel-Autos in Deutschland nun lediglich mit einer neuen Software und nicht mit einer Hardware-Umrüstung weniger Schadstoffe ausstoßen sollen.

          Zum Thema Fahrverbote heißt es vom VDA: „Wir begrüßen, dass Bundesregierung und Länder der Vermeidung von generellen Fahrverboten Priorität einräumen.“ Lesen Sie hier, warum Bund und Länder dies nicht versprechen können.

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