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Energieeffizienz steigern : Vorstände der Gasindustrie gehen auf die Kohleindustrie los

Kohlekraftwerk in den Vereinigten Staaten Bild: FAZ.NET

Noch während die führenden Industrienationen auf dem G-7-Gipfel in Elmau den Abschied von fossilen Energieträgern in diesem Jahrhundert angekündigt haben, ist in der Bodenschatzbranche ein heftiger Streit ums Überleben ausgebrochen.

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          Peter Coleman, der Vorstandsvorsitzende des australischen Öl- und Gaskonzerns Woodside Petroleum, griff die Vertreter der Kohleindustrie scharf an. Er erklärte auf einer Konferenz in Paris, die Lieferanten von Flüssiggas seien „zu schüchtern, um die Mängel der Kohle aggressiv aufzuzeigen“. Er machte die Wettbewerber aus dem Kohlesektor für „atemberaubende“ Smogwolken über China und Indien verantwortlich. Patrick Pouyanne, der Vorstandsvorsitzende des französischen Ölkonzerns Total, beschrieb Kohle als „den Feind. Unter den fossilen Brennstoffen ist Gas der grünste und in jeder Hinsicht sauberste, insbesondere bei der Produktion von Strom“. Solche direkten Attacken untereinander hat es in der eng vernetzten Welt der Energielieferanten noch nicht gegeben. Deshalb brach ein Sturm der Entrüstung los, der erst der Anfang eines nun von der Politik angefeuerten, mit harten Bandagen geführten Verdrängungswettbewerbes sein dürfte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Coleman wurde denn auch sogleich vorgehalten, dass in Australien, dem zweitgrößten Kohleexporteur der Welt, mehr als 55000 Arbeitsplätze direkt an der Förderung von Kohle hingen. Indirekt griff Coleman mit seiner Attacke auch die weltweit kritisierte Klimapolitik des australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott an. Er leugnet den Klimawandel weitgehend und hatte im vergangenen Jahr erklärt, Kohle sei „gut für die Menschheit“. Schon jetzt heißt es in Regierungskreisen, Australiens Erklärung zum Klimagipfel in Paris werde enttäuschen. Die Förderung von Kohle und ihre Auswirkungen auf das Weltklima stehen auch im Mittelpunkt des Streits um das Große Barrier-Riff, über dessen Schutz Ende Juni von der Unesco in Bonn entschieden werden wird. Die Umweltschutzgruppen, die das Riff auf die Liste der gefährdeten Weltkulturerbe setzen lassen wollen, argumentieren inzwischen vor allem mit den Folgen der Kohleförderung in seinem Hinterland. Gerade erst hatte Kofi Annan, der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, erklärt, Australiens Rückzug aus konstruktiven Klimagesprächen auf multilateraler Ebene mache es zu einem „Trittbrettfahrer“ der Kohlendioxidpolitik der Industrieländer. Abbott hatte – in anderem Zusammenhang – gesagt, „ich habe es satt, mir die Vorträge der Vereinten Nationen anhören zu müssen“.

          Der Angriff der Gasförderer auf ihre Kollegen im Kohlegeschäft spaltet die Bodenschatzindustrie. „Es ist nicht klug für Unternehmen oder ihre Vorstände, einen Krieg gegen die eine oder andere Energieform zu beginnen“, warnte Gary Gray, der Schattenminister für Bodenschätze in der oppositionellen Labor-Partei Australiens. „Ich kann nicht erkennen, warum Coleman diese Spaltung vorantreibt. Es gibt Wichtigeres. Es ist nicht das Ausspielen der einen Energieform gegen die andere, es geht darum, wie wir den Kohledioxid-Ausstoß verringern und die Energieeffizienz steigern. Es sollte eine mit Blick auf die Technologie neutrale Debatte sein“, forderte ein Kollege Colemans, der ungenannt bleiben wollte. Kohle stößt beim Verbrennen in etwa doppelt so viel Kohlendioxid aus wie Gas.

          Wie sehr sich die Industrie inzwischen in der Defensive fühlt, zeigt auch das erst jetzt aufgekommene Angebot von sechs großen europäischen Energiekonzernen, gemeinsam mit den Vereinten Nationen ein Preissystem für Kohlendioxid zu entwickeln. Royal Dutch Shell, ihr Übernahmeziel BG Group, BP, Total, Norwegens Statoil und die italienische Eni haben sich darauf geeinigt. Nun erklärte auch der Weltmarktführer unter den Bergbauunternehmen, die australische BHP Billiton, daran mitwirken zu wollen. Deren Vorstandsvorsitzender Andrew Mackenzie bestätigte gegenüber der Zeitung Australian Financial Review, er stehe in Gesprächen mit den Vorständen der sechs europäischen Konzerne. „Ich denke, das ist wichtig“, sagte Mackenzie.

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