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Ausverkauf in Asien : Anleger flüchten in den Yen

Der Yen hat gegenüber dem Dollar deutlich aufgewertet. Bild: Reuters

Die Kurse von Tokio bis Mumbai fallen weiter. Weil die Anleger sich gegen Risiken absichern wollen, wird der Yen immer mehr zur Fluchtwährung. Das macht der japanischen Wirtschaft Probleme.

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          Der Ausverkauf an den asiatischen Börsen hat sich am Mittwochmorgen fortgesetzt. Während die Handelsplätze in den chinesisch bestimmten Ländern der Region aufgrund des Neujahrsfestes weiter geschlossen bleiben, gaben die Kurse von Tokio über Sydney bis Mumbai weiter nach. Die Börsen in Singapur und Malaysia öffneten erstmals nach zwei Tagen wieder und verloren deutlich: Der Index am Finanzplatz in Singapur büßte weitere 1,8 Prozent bis zum Mittag ein. Der Topix in Tokio verlor noch einmal 2,6 Prozent, nachdem er am Dienstag schon 5,5 Prozent nachgegeben hatte. Der Nikkei 225 ging um ebenfalls 2,6 Prozent auf 15.674 Punkte zurück. In Sydney sanken die Kurse um 1,6 Prozent und pendeln nun um ihren niedrigsten Stand seit Sommer 2013. Damit sank der Regionalindex MSCI bis Mittwochmittag um 1,3 Prozent.

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Aufgrund der Risikoerwartung der Anleger wird der Yen immer mehr zur Fluchtwährung. Die Sorgen auf den Finanzmärkten werden getrieben von Nachrichten aus China, wo nach Berechnungen des Institute for International Finance (IIF) im Januar weitere geschätzte 113 Milliarden Dollar Kapitalabfluss verzeichnet wurden. Hinzu kommt derzeit auch in Asien die Sorge um den Zustand der europäischen Banken.

          Im Gegenzug zu den fallen Kursen am Aktienmarkt erlebt der Anleihemarkt seinen stärksten Start in ein Jahr seit der Finanzkrise 1998. Staatsanleihen gerade aus Japan werden immer mehr zum sicheren Hafen. Gold rangiert um seinen höchsten Wert seit sieben Monaten. Auch der Yen als Rettungsanker gewann am Mittwoch wieder weiter an Gewicht. Inzwischen notiert er auf dem stärksten Stand seit 2014. Bis Mittwochmittag machte er noch einmal 0,5 Prozent gut und erreichte 114,57 je Dollar. Am 29. Januar hatte die Bank of Japan negative Zinsen ausgerufen. Zunächst drückte das den Kurs der japanischen Währung, schnell jedoch entdeckten sie Investoren als Fluchtwährung angesichts einer wachsenden Krise. Das verteuert den japanischen Export und wird damit auf die Unternehmensergebnisse durchschlagen.

          Japanische Währung wird zu sicherem Hafen

          Darin liegt einer der Gründe für die fallenden Kurse in Tokio – die Krise befruchtet sich selbst. Damit hat sich die Lockerungspolitik des japanischen Notenbankchefs Haruhiko Kuroda abgenutzt: Die Anleger reagieren nicht mehr auf das immer billigere Geld des japanischen Staates, sondern sorgen sich stärker um die weltweiten Krisenszenarien, angesichts derer die japanische Währung einen sicheren Hafen bieten könnte. Zudem sind viele angesichts der Hoffnung auf Zinssteigerungen in Amerika schon gut in Dollar aufgestellt. Nun kaufen sie deshalb Yen, und gefährden mit dessen deshalb steigendem Außenwert das Vorankommen der japanischen Wirtschaft. Mittlerweile notiert der Yen so stark gegenüber dem Dollar wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Allein im Februar hat die japanische Währung 5,7 Prozent gegenüber dem Dollar gut gemacht.

          Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich auf dem Anleihemarkt: Während die weltweiten Aktienmärkte seit Jahresbeginn rund 7,9 Billionen Dollar – fast die doppelte Wirtschaftsleistung Japans in einem Jahr - an Wert verloren haben, sank die Rendite von nahezu einem Drittel aller Staatsanleihen unter Null. Diese Entwicklungen zwingen die Bank of Japan (BoJ) in eine äußerst missliche Lage: Sie muss immer mehr Kraft aufbieten, um den Kurs des Yen dennoch zu drücken. Analysten wetten nicht darauf, das ihr dies gelinge: Sie rechnen trotz aller Bemühungen der BoJ mit einem Erstarken des Yen auf nur noch 110 je Dollar in den nächsten Wochen.

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