3,5 Prozent Teuerung :
England nähert sich einem Zinsanstieg

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Notenbankchef Andrew Bailey
Notenbankchef Andrew BaileyImago

Die Bank of England wird wohl bald auf den neuen Inflationsanstieg reagieren müssen. Am Kapitalmarkt werden sogar vier Zinsschritte in den nächsten zwölf Monaten erwartet. Für den Finanzminister wird es schwieriger.

Angetrieben von den Energiepreisen ist die Inflationsrate im Vereinigten Königreich im August etwas stärker als erwartet auf 3,5 Prozent gestiegen, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch berichtete. Investoren und Analysten halten eine baldige Erhöhung des Leitzinses von 3,75 auf 4,0 Prozent nun für unausweichlich. Die nächste Sitzung der Bank of England findet Anfang November statt. Bislang hat die britische Notenbank unter Gouverneur Andrew Bailey – anders als Europäische Zentralbank (EZB) oder amerikanische Fed – auf den Inflationsanstieg noch nicht reagiert.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank in London, Sanjay Raja, sprach von mehreren Warnsignalen für die Bank of England. „Die heutigen Inflationsdaten haben bestätigt, der Preisdruck nimmt zu, und die Inflation befindet sich weiterhin im Aufwärtstrend.“ Man müsse noch mit mehr rechnen, da der Ölpreis so hoch gestiegen ist.

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Er rechnet mit einem Anstieg der Inflationsrate auf vier Prozent zum Jahreswechsel. Im Winter dürfte sie darüber steigen. Raja prognostiziert, dass die Notenbank in den nächsten Monaten den Leitzins zweimal anheben wird. Am Anleihemarkt gehen die Erwartungen noch weiter: Zinsderivate signalisieren, dass bis zu vier Leitzinserhöhungen eingepreist sind.

Die Aussicht auf höhere Zinsen stützt den Pfund-Wechselkurs. Mit 1,193 Euro erreichte das Pfund am Mittwoch den höchsten Stand seit siebzehn Monaten. Gegenüber dem Dollar ist das Pfund aber zuletzt deutlich gefallen.

Etwa ein Viertel der Staatsanleihen ist inflationsindexiert

Die steigenden Zinsen und fallenden Anleihekurse sind besonders für Schatzkanzler John Healey ein Problem. Für die zehnjährigen Staatsanleihen liegt die Rendite bei gut 5,4 Prozent. Das ist mehr als andere Renditen im Euroraum; Frankreichs Zinsanstieg erreichte aktuell 5,0 Prozent. Im vergangenen Monat musste das britische Schatzamt für fast 25 Milliarden Pfund neue Anleihen begeben. Zudem ist ein erheblicher Teil der Staatspapiere – bis zu ein Viertel des Gesamtportfolios – inflationsindexiert. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf Healey, der am 28. Oktober sein erstes Budget vorlegen muss.

Etwas Rückenwind erhält er durch die bessere Konjunktur. Im September wuchs die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent zum Vormonat, wogegen viele Ökonomen mit einer leichten Schrumpfung gerechnet hatten. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Wirtschaftsleistung sogar gut zwei Prozent höher. Ein Grund dafür sei der „KI-Boom“, erklärte Berenberg-Ökonom Andrew Wishart. Der Bereich IT und Kommunikation wachse stärker.

Relativ gut entwickelt sich aktuell auch der Arbeitsmarkt. Die Quote der Erwerbslosen sank zuletzt auf 4,7 Prozent. „Der Arbeitsmarkt hat sich stabilisiert“, sagte Raja von der Deutschen Bank in London. Viele in der britischen Wirtschaft blicken aber mit Sorge auf das, was im nächsten Haushaltsplan an möglichen Steuererhöhungen verkündet wird. Sicher scheint schon, dass Schatzkanzler Healey eine höhere Banken-Gewinnabgabe beschließt.

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Philip Plickert, London
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