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Bundestag : Gerhardt tritt nicht mehr an

Wolfgang Gerhardt verlässt das Trio der bekannten Wiesbadener Bundestagsabgeordneten. Bild: dpa

Von dem Trio der bekannten Wiesbadener Bundestagsabgeordneten bleibt nur Familienministerin Kristina Schröder übrig.

          3 Min.

          Der Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gerhardt (FDP) wird im nächsten Jahr nicht mehr für das Parlament kandidieren. „Das war schon lange klar“, hieß es gestern in seinem Berliner Büro. Gerhardt wolle sich künftig auf seine Arbeit als Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung und als Vizepräsident des Weltverbandes der liberalen Parteien konzentrieren. Gestern weilte er in Israel. Der Achtundsechzigjährige gilt seit mehr als zwei Jahrzehnten auf Bundes- und Landesebene als Verkörperung der bürgerlichen Bündnisse von CDU und FDP. Unter dem hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann (CDU) war er von 1987 bis 1991 Wissenschaftsminister und stellvertretender Regierungschef.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Seit 1994 gehört er dem Deutschen Bundestag an. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre wählten die Liberalen ihn zum Bundesvorsitzenden von Partei und Fraktion. Wie Wallmann, so schätzte auch der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) den Liberalen als stabilisierendes Element seiner Regierungskoalitionen. Nachdem Guido Westerwelle ihn von der Spitze verdrängt hatte, wurde Gerhardt im Jahr 2006 mit der Position an der Spitze der parteinahen Stiftung entschädigt. Die ursprünglich von Jürgen Möllemann (FDP) stammende Titulierung als „schnarchender Löwe von Wiesbaden“ nimmt der promovierte Erziehungswissenschaftler inzwischen mit souveränem Gestus: „Ich bin nun mal kein Mensch, der dreimal am Tag in die Luft springt und Geschrei macht.“

          Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) will sich im nächsten Jahr nicht mehr um ein Mandat bewerben

          Mit Gerhardts Abschied verändert sich die personelle Konstellation im Bundestagswahlkreis Wiesbaden noch stärker, als es bisher schon absehbar war. Wie berichtet, will sich auch die 69 Jahre alte frühere Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) im nächsten Jahr nicht mehr um ein Mandat bewerben. Bislang war die Landeshauptstadt mit drei bekannten Politikern in Berlin vertreten. Die Sozialdemokratin und der Liberale zogen im Herbst 2009 über die Landeslisten ihrer Parteien in den Bundestag ein. Die heutige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) holte im dritten Anlauf das Direktmandat.

          Im Herbst 2013 wird die Vierunddreißigjährige es gegen mindestens zwei neue Kandidaten verteidigen müssen. Dabei dürfte Gerhardts Ausscheiden ihre Chancen, wiedergewählt zu werden, etwas erhöhen. Denn der FDP-Politiker bekam aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades stets außergewöhnlich viele Erststimmen. So wurde im Wahlkampf des Jahres 2009 spekuliert, dass Gerhardts Kandidatur ausgerechnet Wieczorek-Zeul das Wahlkreismandat bescheren könnte - wenn er nämlich genau die Erststimmen bekommen würde, die eigentlich Schröder benötigte, um an ihrer sozialdemokratischen Konkurrentin vorbeizuziehen. Diese Überlegung führte dazu, dass Gerhardt seiner Klientel gegen Ende des Wahlkampfes das Signal gab, auf die Erststimme keinen allzu großen Wert zu legen. Am Ende bekam er als Person zwar immer noch stolze 9,4 Prozent, aber Schröder setzte sich trotzdem durch. Die Wiesbadener Sozialdemokraten wissen zwar schon seit Monaten, dass sie einen neuen Bundstagskandidaten benötigen. Gegenwärtig beschäftigt sie allerdings vor allem die Frage, wen sie bei den vorher anstehenden Landtagswahlen und bei der Wahl des Oberbürgermeisters ins Rennen schicken sollen.

          Jetzt beginne die „Vorplanung für die Kandidatenliste“

          Als Bundestagskandidatin wurde zwar gelegentlich die Vorsitzende des Landeselternbeirats, Kerstin Geis, genannt. Sie hat allerdings schon die Erwartungen enttäuscht, die manche Sozialdemokraten mit ihrem Einzug ins Stadtparlament verbunden hatten. Wieczorek-Zeul, die sich gern die „rote Heidi“ nennen lässt, würde sich nach eigenem Bekunden freuen, wenn ein Juso ihr Nachfolger würde. Sie war als Bundesministerin und Galionsfigur der linken Sozialdemokraten in der Vergangenheit wie selbstverständlich auf der Landesliste so abgesichert, dass sie sich um ihren Einzug ins Parlament von vornherein keine Sorgen machen musste. Dass dies auch für den künftigen Kandidaten gilt, ist nicht so sicher.

          Die FDP muss nicht nur einen neuen Kandidaten für den Wiesbadener Wahlkreis suchen. Gerhardt war auch ihr Spitzenkandidat in Hessen. Jetzt beginne die „Vorplanung für die Kandidatenliste“, kündigte der Parteivorsitzende, Justizminister Jörg-Uwe Hahn, gestern an. Die Gespräche darüber würden sicher bis nach der Sommerpause dauern.

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