Investition in Haupthaus : Ein neues „Haus Pfüller“ an der Goethestraße

Das Familienunternehmen, das bislang zwei Geschäftshäuser an der Frankfurter Goethestraße betreibt, holt die Kindermode ins Haupthaus. Dort soll es künftig auch Platz für Gastronomie und Gesundheitsangebote geben.
Der Schlussverkauf mit 30 Prozent Preisnachlass läuft. „Wir bauen etwas großes Neues“, steht auf Plakaten im Schaufenster geschrieben. Drinnen drängeln sich die Kunden. Die beiden Pfüller-Brüder, die das Unternehmen in sechster Generation führen – Benjamin (56) managt das Kindergeschäft, Felix (61) das Haupthaus mit Damen- und Herrenmode – stellen sich zwei Jahre vor der Feier zum 150-jährigen Bestehen neu auf.
Fortan gibt es Pfüller nur noch einmal an der Luxus-Einkaufsstraße, an der sonst nur noch Optik Brenner von einem Frankfurter Inhaber geführt wird. Den Pfüllers gehören die Immobilien, in denen sie verkaufen. Das Kindergeschäft, das mit vier Etagen etwa halb so groß ist wie das Haupthaus (1000 Quadratmeter), wird, wie es heißt, an einen französischen Luxuskonzern vermietet. Den Namen geben die Pfüllers noch nicht bekannt. In Maklerkreisen macht der Name Dior die Runde. Das Luxusmode- und Kosmetikunternehmen hat bereits ein Geschäft an der Straße.
„Wir fassen jede einzelne Etage an“
Nur noch wenige Wochen läuft im Kindergeschäft der Räumungsverkauf, schon zum 10. Dezember soll das Sortiment für den Nachwuchs – außer Mode auch Möbel – in das sechsstöckige Haupthaus, das schräg gegenüberliegt, umziehen. Dort ist der Umbau bereits in vollem Gange. „Wir fassen jede einzelne Etage an. Das Haus bekommt ein komplett neues Konzept“, sagt Felix Pfüller. Auch einen zweiten Fahrstuhl. Bis Mitte nächsten Jahres soll alles fertig sein.
Im Erdgeschoss wird der Untermieter, das Sneaker-Label Golden Goose, ausziehen, womit die Mode mehr Platz bekommt. Mode und Möbel für Kinder ziehen zusammen mit dem Wäschesortiment auf zwei Etagen, den zweiten und dritten Stock, das Angebot vergrößere sich damit sogar, sagt Pfüller. Unter dem Dach, wo bisher Büroräume waren, wird Platz freigeräumt für eine Gastronomiefläche.
Ebenfalls in den oberen Etagen soll es Angebote rund um Lifestyle-Themen geben, wie Pfüller ankündigt. Dazu zählt er auch Longevity-Konzepte, die nicht nur ein möglichst langes, sondern auch gesundes Älterwerden versprechen. Produkte dafür soll man im Geschäft kaufen und ausprobieren können. „Solche Modelle gewinnen immer mehr an Bedeutung“, sagt Felix Pfüller.
Breiter aufgestelltes Luxuskaufhaus
Der Modehändler spricht von einem breiter als bisher aufgestellten Luxuskaufhaus und „umfänglichen Investitionen“. Unter dem Namen „Haus Pfüller“ soll es künftig laufen. In erster Linie wolle man aber ein Modegeschäft bleiben. Pfüller gehört als sogenannter Multibrand-Store zu den immer weniger werdenden Modehändlern, die verschiedene Marken unter einem Dach verkaufen. Bei Pfüller sind es etwa Label wie Gucci, Saint Laurent, Fendi, Stella McCartney, in erster Linie für Damen. Seit ein paar Jahren gibt es aber auch wieder ein Angebot für Herren. Pfüller verkauft inzwischen über einen eigenen Onlineshop, den Anteil am Umsatz beziffert der Händler mit zehn bis zwölf Prozent. Modekunden kämen nach wie vor lieber ins Geschäft.
Vor acht Jahren, zum 140-jährigen Bestehen, hatte die Familie zuletzt im Haupthaus umgebaut und investiert. Dass die Eigenständigkeit des Kindergeschäfts jetzt aufgegeben und die Immobilie vermietet wird, begründet Felix Pfüller mit der Entwicklung des Marktes. Kindermode auf vier Etagen „ist einfach zu groß“. Zudem gebe es kaum noch Bedarfs- und Versorgungskäufe. Kunden erwarteten heute mehr Erlebnis. „Es muss alles stimmen“, sagt er und: „In der langen Geschichte unseres Unternehmens haben wir uns immer wieder entwickelt und angepasst.“
Die Mieteinnahmen dürften der Familie aber auch gutes Geld in die Kasse spülen. Die Mieten an der Goethestraße gehören mit 250 Euro den Quadratmeter in der Spitze zu den höchsten in der Stadt. Die Vermietung von Geschäftshäusern in Eigentum gilt inzwischen als auskömmlicher als die eigene Bewirtschaftung. Nicht ohne Grund verkleinern und vermieten Unternehmen wie Peek & Cloppenburg die Flächen ihrer großen Flaggschifffilialen, etwa an der Zeil, oder ziehen zur Miete ein, wie C&A in Frankfurt, das bisher in einer eigenen Immobilie verkauft.
Das Unternehmen, die August Pfüller GmbH & Co. KG, geht auf die thüringische Strumpffabrik Pfüller zurück. Ein erstes Geschäft für Trikotagen, Wäsche und Strickwaren wurde 1878 am damaligen Theaterplatz (heute Willy-Brandt-Platz) eröffnet. 1905 wurde es an die Goethestraße verlegt und nach dem Krieg als Modehaus für Damen neu aufgebaut. Später eröffneten die Pfüllers gegenüber den „Baby-Bazar“ für Kindermode.





