Nach Trumps Wahlsieg : Obamas Mahnung
Bei seiner Abschiedsrede in Athen hat Barack Obama den Finger auf die Wunde westlicher Demokratien gelegt. Wenn die Sorgen der Menschen nicht ernst genommen werden, haben Populisten Oberwasser.
Die Demokratie ist nach wie vor die beste Regierungsform, die Globalisierung hat Millionen Menschen aus der Armut geführt, die internationale Verflechtung hat den Wohlstand in vielen Ländern gemehrt. Und doch haben immer mehr Leute das Gefühl, wirtschaftlich unter die Räder zu kommen – Stichwort Ungleichheit –, politisch übergangen und sozial abgehängt zu werden. Eine Konsequenz daraus: Der Wunsch nach Abschottung wird größer, er hat viele Brexit-Wähler beseelt und beim Wahlerfolg Donald Trumps eine große Rolle gespielt.
In seiner Athener Rede über die Demokratie hat Präsident Obama den Finger auf die Wunde im Gefühlshaushalt der westlichen Demokratien gelegt, in die antidemokratische Kräfte gierig eindringen. Regierungen müssten die Sorgen der Leute ernst nehmen und diese nicht ignorieren. Das dürfen aber keine Redensarten bleiben, denn andernfalls werden die Sirenengesänge von den einfachen Lösungen (Abschottung und Renationalisierung) weiter ihr Publikum finden. Dessen Toleranz für tatsächliche oder vermeintliche Ungerechtigkeiten nimmt ganz schnell ab.



