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Vor Berlin-Besuch : Obama in Deutschland: Ein Abschied mit Wehmut

Mehr als zweihunderttausend Menschen sahen Obama im Jahr 2008 vor der Siegessäule in Berlin sprechen. Bild: AP

Die Beziehung der Deutschen zum amerikanischen Präsidenten Barack Obama war Liebe auf den ersten Blick. Umso enttäuschter waren sie, als die Liebe erkaltete. Doch mit Blick auf seinen Nachfolger kommt bei vielen Wehmut auf.

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          Die Beziehung zwischen dem scheidenden amerikanischen Präsidenten Barack Obama und den Deutschen war schon immer eine herzliche. Wie froh waren sie, als nach George W. Bush, mit dem man sich wegen des Irak-Krieges überworfen hatte, dieser junge energiegeladene Senator aus Chicago auf der Bildfläche erschien und „Change we can believe in“ – Veränderung, an die wir glauben können – versprach. Sein „Yes we can“ war in aller Munde.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brauchte hingegen eine Weile, bis sie sich für den jungen Präsidenten erwärmen konnte. 2008, noch in den amerikanischen Vorwahlen, wollte Obama nach Deutschland kommen und eine Rede vor dem Brandenburger Tor halten. Eine Idee, die parteiübergreifend begrüßt wurde. Doch Merkel sperrte sich. So fand die Rede vor der Siegessäule in Berlin statt und mehr als 200.000 begeisterte Menschen lauschten dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, als er seine Vision einer gerechten Welt entfaltete. Alle Aspekte seines Lebens waren von Interesse und so erschlich sich eine „Bild“-Reporterin ein Selfie mit Obama im Fitness-Raum seines Hotels und die Zeitung machte damit am folgenden Tag ihre Titelseite auf. Obama soll wenig erfreut gewesen sein von der Aktion, die von damaligen „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann zu „einer tollen Reporterleistung“ geadelt wurde.

          Sein Sieg bei der Präsidentenwahl im Jahr 2008 wurde auch in Deutschland gefeiert. Sein Programm und seine Vorhaben waren das, was sich die Deutschen von dem großen Bruder in Übersee gewünscht hatten. Er wollte die unilaterale Politik seines Vorgängers beenden, eine atomwaffenfreie Welt schaffen, das Verhältnis zu Russland und zur islamischen Welt verbessern sowie das berüchtigte Gefangenenlager in Guantanamo schließen.

          Das andere Gesicht der Deutschen und Europäer lernte Obama dann schon kurz nach seinem Amtsantritt kennen. Im April 2009 kam er nach Baden-Baden, um dort und in Kehl am Nato-Gipfel teilzunehmen. Vom ganzen Kontinent waren Randalierer angereist, die sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften lieferten. Das war zwar nicht gegen Obama persönlich gerichtet, aber wohl gegen Amerika als Vormacht des Verteidigungsbündnisses. Auch seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis im Jahr 2009 nach nur zehn Monaten Amtszeit wurde zumindest kritisch gesehen. Noch hatte er nichts geleistet. Seine Reden waren zwar inspirierend, doch müsse er seine Vorhaben erst noch in die Tat umsetzen, war der Tenor der Kritik.

          Nur zwei Monate später weilte er schon wieder in Deutschland. Dresden, die KZ-Gedenkstätte Buchenwald und ein amerikanisches Militärkrankenhaus in Landstuhl waren seine Ziele. Die Bundeshauptstadt ließ er links liegen. Eine Reiseplanung, die von manchen als Zumutung empfunden wurde, oder auch als Revanche dafür, dass er ein Jahr zuvor nicht auf dem Pariser Platz in der deutschen Hauptstadt hatte sprechen dürfen.

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