Politische Bücher : Im Bund mit der Vorsehung

Viele blicken heute ratlos auf ein Land, im dem womöglich ein neuer Bürgerkrieg droht. Der Historiker Manfred Berg erläutert die Zusammenhänge hinter dem amerikanischen Dilemma.
Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus 2016 war kein Betriebsunfall der amerikanischen Geschichte, sondern das Produkt jahrzehntelanger Polarisierung der Politik und Gesellschaft in den Vereinigten Staaten: kosmopolitische und multiethnische Großstädte und Küstenstaaten gegen das „Herzland“; Religiöse gegen Säkulare; rassisch-ethnische Minderheiten gegen eine schrumpfende weiße Mehrheit; „woke“ Identitätspolitik gegen rechte Kulturkrieger; CNN gegen Fox News; gun rights gegen gun control; Gewinner gegen Verlierer der Globalisierung – alles säuberlich gebündelt in einer scharfen politisch-ideologischen Lagerbildung. Trump ist der Maestro der Polarisierung und der Demagogie. So wurde er als „Rüpel-in-Chief“, der mit dem Rechtsextremismus flirtet, Nachfolger Barack Obamas. Und so wird er womöglich Nachfolger Joe Bidens. Aus seiner Sicht und der seiner glühendsten Anhänger hat er 2024 noch etwas anzubieten, was über Kultstatus hinausreicht: Nach dem Attentat am 13. Juli ist Donald Trump das Werkzeug der Vorsehung.


