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Franco-Diktatur : Schattenseiten des sanften Übergangs

Opfer der Franco-Diktatur werden exhumiert. Bild: EPA

Die Vergangenheit will nicht vergehen. Diese Erfahrung macht auch Spanien.

          3 Min.

          Die Frage ist spannend. Was wäre mit Spanien geschehen, wenn sich das Land nach dem Tod des Diktators Francisco Franco zu einem Bruch mit der Vergangenheit entschlossen hätte? Stattdessen sorgte die „Transición“ für einen sanften Übergang von der Diktatur zur Demokratie, ohne dass den Opfern Gerechtigkeit widerfuhr. Hannes Bahrmann bleibt leider die Antwort auf die Frage schuldig, die er gleich zu Anfang stellt; nur gegen Ende beschreibt er in wenigen Kapiteln, wie sehr die unbewältigte Vergangenheit die spanische Gegenwart belastet – in einem Land, in dem sich nach seiner Ansicht seit 1975 nicht viel geändert hat, wie schon der Titel deutlich macht. „Francos langer Schatten“ heißt das Buch, dessen Titelseite plakativ einen Spanier zeigt, der, gehüllt in eine Nationalflagge aus der Zeit der Diktatur, vor dem riesigen Kreuz des monumentalen „Tals der Gefallenen“ seinen rechten Arm zum Gruß ausstreckt. Der Klappentext versucht Aufmerksamkeit für ein Land zu erregen, das „nach Kambodscha die weltweit meisten anonymen Massengräber hat“.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Herausgekommen ist aber kein Buch über das spanische Ringen mit seiner jüngsten Vergangenheit, sondern ein handliches Taschenbuch mit einem straffen und soliden Überblick über die Zeit vom spanischen Bürgerkrieg bis zur Wiederwahl des Sozialisten Pedro Sánchez. Mit wirklichen Neuigkeiten wartet der frühere Journalist Hannes Bahrmann dabei nicht auf, der zuvor Bücher über Mittelamerika, Drogen und das Ende der DDR geschrieben hat. Interessante Akzente setzt er, indem er auf deutsche Aspekte aufmerksam macht, wie die Rolle der SPD beim Aufbau der neuen sozialistischen PSOE-Partei und die Beziehungen spanischer Gewerkschafter in die DDR und die BRD.

          Der Autor ist nicht der Erste, der die spanische Geschichte mit dem Bürgerkrieg (1936 bis 1939) beginnen lässt. Für die Zeit von der arabischen Eroberung der Iberischen Halbinsel bis zu Francos Beförderung zum jüngsten General Europas genügt ihm ein kurzes Kapitel. Für die viel älteren Schatten, die auf der spanischen Gegenwart lasten, ist kein Platz. Dabei reichen Korruption, soziale Spaltung sowie die notorischen politischen Interventionen der Armee viel weiter zurück. Nach Ansicht des britischen Historikers Paul Preston, eines der besten Kenner des Landes, sind die Spanier schon viel länger „Ein verratenes Volk“ – so hat er sein jüngstes Buch genannt. Das heutige Spanien lässt sich nicht durch Franco erklären, auch wenn er wie ein Untoter überall auftaucht. Bahrmann erwähnt die spanische Nationalbiographie der „Königlichen Akademie der Geschichte“. Die gedruckte Ausgabe aus dem Jahr 2011 würdigt Franco als „Generalísimo“ und „Staatschef“, der ein „intelligenter und gemäßigter“ Mann gewesen sei. Verfasser des Eintrags war der Mediävist Luis Suárez, Patronatsmitglied der Francisco-Franco-Stiftung und Vorsitzender der ultrarechten „Bruderschaft des Tals der Gefallenen“. Bahrmann übergeht jedoch den danach einsetzenden Sturm der Entrüstung, der eine Korrektur in der folgenden digitalen Ausgabe zur Folge hatte, die ihn unmissverständlich „Staatschef und Diktator“ nennt.

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