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Moorbrand bei Meppen : Bundeswehr prüft auf radioaktive Strahlung

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Ein Transporthubschrauber CH-53 der Bundeswehr gibt beim Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) in Meppen Wasser ab. (Archivfoto) Bild: dpa

Nachdem ein Moorgebiet im Emsland in Brand gerät, sind Einsatzkräfte wochenlang im Einsatz. Nun untersuchen Spezialisten der Bundeswehr, ob durch den Brand womöglich Radioaktivität und Quecksilber freigesetzt wurden.

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          Spezialisten der Bundeswehr untersuchen wegen des Moorbrands bei Meppen nach einem Medienbericht nun eine mögliche Belastung von Boden, Luft und Wasser durch Quecksilber und radioaktive Strahlung. „Die Strahlenmessstelle Süd ist mit dem Auftrag vor Ort, zu überprüfen, ob Einsatzkräfte einer Strahlenbelastung ausgesetzt gewesen sein könnten“, sagte ein Sprecher der Bundeswehr der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Freitag.

          Ebenfalls untersucht werde, ob es zu einer Freisetzung von Schwermetallen wie Quecksilber aus im Moor befindlicher Altmunition gegeben habe. Der „NOZ“ zufolge sollen auf dem bereits seit der Kaiserzeit zu Munitionstests genutzten Gelände in der Vergangenheit quecksilberhaltige Sprengkörper beispielsweise der Nationalen Volksarmee der DDR sowie möglicherweise uranhaltige Nato-Munition getestet worden sein. Wuchtmunition mit anderen, gegebenenfalls giftigen Schwermetallen, seien in jedem Fall verschossen worden. Diese Stoffe könnten dem Bericht zufolge durch den riesigen Moorbrand freigesetzt worden sein.

          Dem Verteidigungsministerium zufolge gibt es keine akuten Hinweise auf radioaktive Strahlung oder erhöhte Quecksilberbelastung. „Es gibt keine Erkenntnisse, dass dort jemals Uranmunition getestet worden ist“, sagte Ministeriumssprecher Jens Flosdorff am Freitag in Berlin. Die angekündigten Messungen seien eine rein vorsorgliche Maßnahme und sollen zur Transparenz beitragen. „Wir gehen kein Risiko ein“, sagte Flosdorff.

          Die Kommunikation mit der Bundeswehr habe sich gebessert

          Das niedersächsische Innenministerium wartet bereits seit einer Woche auf Messdaten der Bundeswehr, die vor dem 18. September beim Moorbrand erhoben wurden. „Wir haben die Bundeswehr gebeten uns Messdaten von vor dem Zeitraum, zu dem starke zivile Kräfte und das Innenministerium eingebunden worden sind, zu übermitteln. Da warten wir noch auf die entsprechende Rückmeldung“, sagte der für den Katastrophenschutz zuständige Referatsleiter aus dem Innenministerium, Mirko Temmler. Die Anfrage an die Bundeswehr sei am 29. September gestellt worden.

          „Gerade in diesem Punkt sehen wir es auch kritisch, dass die Rückmeldung mehrere Tage auf sich warten lässt“, sagte Temmler. Noch unklar sei, ob es diese Daten gibt und ob sie auch zur Verfügung gestellt und veröffentlicht werden könnten. Bisher gibt es nach Angaben des Ministeriums aber keinen Anlass, sich wegen einer Gesundheitsgefährdung der Helfer oder der Bevölkerung Sorgen zu machen.

          Die Einsatz-Kommunikation mit der Bundeswehr sei nach ersten Schwierigkeiten mittlerweile spürbar besser geworden. Das Feuer war am 3. September nach einem Waffentest ausgebrochen. Die Messstelle gehört zum Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr im bayerischen Sonthofen. Zu einer eventuellen Freisetzung von Schwermetallen wie Quecksilber gebe es derzeit Abstimmungen mit Geologen. „Dies wird derzeit ebenfalls untersucht“, sagte der Bundeswehrsprecher der Zeitung.

          Die Informationen seien auch für den Landkreis neu

          Niedersächsische Grünen-Politiker übten Kritik an der Informationspolitik der Bundeswehr. „Wenn sich bewahrheitet, dass erst jetzt gemessen wird, ob durch den Brand im Moorgebiet auch Radioaktivität und Quecksilber freigesetzt wurden, dann ist das ein Skandal“, sagte die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Anja Piel. Die Osnabrücker Bundestagsabgeordnete der Grünen, Filiz Polat, forderte das Verteidigungsministerium zur detaillierten Aufklärung auf. „Das scheibchenweise Bekanntwerden von neuen Details verunsichert Bürgerinnen und Bürger zurecht“, sagte Polat. Sie habe eine weitere mündliche Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, warum die Bundeswehr Messungen von Luftschadstoffen erst am 20. September und nicht schon vorher veranlasst hat.

          In diesem Zusammenhang wies der Landkreis Emsland den Vorwurf zurück, am 19. September, noch vor der ersten Schadstoffmessung der Bundeswehr, Entwarnung gegeben zu haben, was die Gesundheitsgefährdung angeht. „Im Gegenteil erging sogar frühzeitig eine Warnung an die Bevölkerung, Fenster und Türen geschlossen zu halten“, teilte der Landkreis mit. In der Nacht vom 18. auf den 19. September, in der die stärkste Rauchentwicklung in Stavern zu verzeichnen war, seien zudem durch den ABC Zug Landkreis Leer im Auftrag der Bundeswehr Messungen der Brandgase durchgeführt worden. „Hier wurde vorrangig die Kohlenmonoxidkonzentration bestimmt, die als zentraler Leitparameter bei Brandgeschehen gilt. Aus den gemessenen Werten ergab sich keine akute Gefahrensituation für die Bevölkerung, die weitere Maßnahmen erforderlich gemacht hätten.“

          Die Information, dass möglicherweise auch giftige Stoffe aus Munitionsresten freigesetzt worden sein könnten, sei auch für den Landkreis neu, sagte ein Sprecher am Freitag.

          Das Technische Hilfswerk, das hunderte Helfer im Emsland beim Moorbrand im Einsatz hatte, befürworte die aktuellen Messungen der Bundeswehr und schaue mit großem Interesse auf die neuen Ergebnisse, sagte ein Sprecher. „Sobald die neuen Ergebnisse vorliegen, wird das THW erneut eine Bewertung vornehmen.“

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