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Islam und Religionsunterricht : Gutachter fällen verheerendes Urteil über die Ditib

Religionsstunde: Islamunterricht an der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule Bild: dpa

Hessen hat die Kooperation mit der Ditib beim islamischen Religionsunterricht beendet. Zwei Gutachten über den Moscheeverband zeigen, dass die Gründe hierfür zwingend waren.

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          Wer die Gutachten über die Kooperation mit der Ditib beim islamischen Religionsunterricht liest, wundert sich, dass Hessen so lange die Geduld mit dem türkischen Moscheeverband bewahrt hat, der sich immer mehr zum direkten Sprachrohr des türkischen Präsidenten entwickelt. Hessen hatte als erstes und bisher einziges Bundesland das Konzept eines islamischen Religionsunterrichts entwickelt, das gleich konstruiert war wie der evangelische und katholische Religionsunterricht, deren inhaltliche Verantwortung in der Hand der Religionsgemeinschaften liegt. Das Land hat der Ditib also die verfassungsrechtliche Rolle einer Religionsgemeinschaft zugebilligt und 2012 einen islamischen Religionsunterricht eigener Verantwortung eingerichtet, der die Ditib nicht ansatzweise gerecht wurde. Das geht aus den Gutachten des Bonner Staatsrechtlers Josef Isensee und des Turkologen Günter Seufert von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hervor.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Einführung des Ditib-Religionsunterrichts hat Isensee als „juristisches und politisches Wagnis“ bezeichnet. Schon 2017 hatte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) den hessischen Landesverband aufgefordert, seine Unabhängigkeit sowie seine Eignung als Kooperationspartner unter Beweis zu stellen und dafür ein Mitgliederregister und den Aufbau professioneller Verwaltungsstrukturen zu belegen. Die politische Abhängigkeit vom türkischen Staat sollte beendet und die Verbindung zur türkischen Religionsbehörde Diyanet auf theologische Fragen beschränkt werden. Im Februar 2019 hatte der Minister festgestellt, dass seine Vorgaben nicht erfüllt seien, und mit der Aussetzung der Kooperation gedroht, die nun vollzogen ist. Ditib bilde das letzte Glied einer Weisungskette, die über den Bundesverband zur türkischen Religionsbehörde Diyanet führe, die ihrerseits unmittelbar dem türkischen Staatspräsidenten unterstehe. „In dieser Organisationseinheit verfügt der Landesverband nicht über jenes Minimum an institutioneller Unabhängigkeit, deren er bedarf, um selbstbestimmt seine Aufgabe als Religionsgemeinschaft erfüllen zu können“, schlussfolgert Isensee.

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