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Sanierungsstau an Hochschulen : Gibt es nach der Pandemie weniger Seminarräume an Unis?

Universitäten prägen das Bild einer Stadt. Wie hier die Universität Kiel. Bild: dpa

Die Hochschulen leiden unter einem massiven Sanierungsstau. 60 Milliarden Euro fehlen. Nun geht es darum, ob der Bedarf an Präsenzlehre grundsätzlich abnehmen könnte.

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          Während der Corona-Pandemie haben Hochschulleitungen und Hochschullehrer längst befürchtet, was der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) nun bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Wissenschaftsrat offen aussprach: Die Hochschule werde sich verändern. Es werde mehr digitale Forschung und Lehre geben, „die die präsenten Raumbedarfe reduzieren“. Beim amtierenden Kanzler der Universität Köln, Michael Stückradt, gingen sofort die Warnlichter an, und er widersprach Dressel insofern, als die Hochschullehre zwar nicht wieder so sein wird wie vor der Pandemie, aber nicht weniger Räume gebraucht werden, sondern andere.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In den Hochschulen rechnen viele damit, dass die großen Vorlesungen mit mehreren hundert Studenten etwa in Volkswirtschaftslehre oder Rechtswissenschaft am ehesten nur noch digital angeboten werden. Dafür aber müssen andere Räume viel besser ausgestattet sein für hybride, digitale und präsentische Lehrmodelle. Im Hochschulalltag bei Berufungs- und Bleibeverhandlungen spielen nicht nur die Infrastruktur, sondern die baulichen Gegebenheiten in den Hochschulen eine entscheidende Rolle, so Stückradt.

          Den Finanzministern käme es sehr gelegen, wenn die Hochschulen weniger Platz brauchten. Dressels „multifunktionale“ Räume lassen Begehrlichkeiten von Städten und Kommunen ahnen. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, sagte der Hamburger Finanzsenator, der sich innerhalb der Verwaltungskommission des Wissenschaftsrats für ein stärkeres Engagement des Bundes im Hochschulbau einsetzt. Denn die Aufgabe der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau während der Föderalismusreformen sehen alle Länder inzwischen als fatalen Fehler. Der Wissenschaftsrat empfiehlt daher, „zu prüfen, welche Kooperationsmöglichkeiten von Bund und Ländern auf der Grundlage des Art. 91b GG noch besser ausgeschöpft werden können“. Eine Stärkung des Hochschulbaus biete die Chance, einen wirkungsvollen Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu leisten. Im Koalitionsvertrag der Ampelkoalition ist vom Hochschulbau vorsichtshalber nicht die Rede.

          60 Milliarden Euro Sanierungsstau

          Der Sanierungsstau im Hochschulbau hat sich nach den Berechnungen des Wissenschaftsrats auf 60 Milliarden Euro summiert. Das liegt auch daran, dass in einigen Ländern bis zu vier Ministerien für Sanierungs- und Bauvorhaben zuständig sind und sich nicht selten gegenseitig blockieren. „Hochschulen und ihre Gebäude prägen das Bild der Stadt, aber ihre Sanierungsbedürftigkeit ist oft nicht zu übersehen“, sagte die gerade wiedergewählte Vorsitzende des Wissenschaftsrats, die Karlsruher Professorin für Informatik Dorothea Wagner.

          Eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats unter Vorsitz von Cameron Tropea, der Strömungslehre und Aerodynamik an der Technischen Universität Darmstadt lehrt, hat Vorschläge entwickelt, wie der Sanierungsstau behoben werden kann. Konkret soll es darum gehen, die Planung zu digitalisieren und andere Vergabemodelle als bisher zu nutzen. Damit Planung und Realisierung wissenschaftsadäquat ausfallen, „sollte eine aus der inhaltlichen Hochschulentwicklung abgeleitete, ganzheitliche bauliche Entwicklungsplanung die Regel sein“, heißt es in der Stellungnahme des Wissenschaftsrates. Die Nutzer seien frühzeitig einzubinden. „Für die beträchtlichen Investitionen im Hochschulbau kann so das Risiko reduziert werden, den tatsächlichen Bedarf der Hochschulangehörigen und die Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit zu verfehlen.

          Für möglich hält der Wissenschaftsrat auch, die Verantwortung der Hochschulen im Planungs- und Bauprozess bis zur Bauautonomie zu stärken. Die hessische Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium Ayse Asar berichtete von positiven Erfahrungen mit einer vollen Bauherreneigenschaft an der TU Darmstadt und Teilbauautonomien an anderen Hochschulen. Außerdem hat das Land ein eigenes Milliardenprogramm für den Hochschulbau aufgelegt.

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