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Frankfurter Zeitung 05.09.1917 : Deutsche Armee erobert Riga

Unser seit langer Zeit geplanter Schlag war den Russen natürlich nicht ganz verborgen geblieben, aber über die Angriffsstelle sind sie anscheinend bis zuletzt im unklaren geblieben, ebenso auch über den Angriffstermin. Unsere Vorbereitungen hatten aber den russischen Armeeführer veranlaßt, den Brückenkopf zu verengern und über die Aa zurückzugehen. Das bedeutete eine wesentliche Verkürzung der russischen Front. Anscheinend haben nun die Russen unseren Angriff längs der Straße Ekkau-Kekkau  direkt auf den Rigaer Brückenkopf erwartet, wo sie ein dichtes Verteidigungsnetz ausgebaut hatten. Sie glaubten wohl, daß unsere Oberste Heeresleitung durch einen Angriff an dieser Stelle das russische Verteidigungssystem aufrollen wollte. Das Ziel auf deutscher Seite war aber größer und der Entschluß kühner, als es uns die Russen wohl zutrauten. Sie hielten es anscheinend für unmöglich, daß unsere Truppen angesichts der ausgebauten russischen Stellung mit ihrer starken Besatzung die etwa 311 Meter breite Düna – die Breite des Rheins bei Köln – überschreiten würden. Zu ihrer Überraschung ist es dennoch geschehen.

Die deutsche Oberste Heeresleitung hatte für den Beginn der Operation, bei einigermaßen günstiger Wetterlage, den 1. September in Aussicht genommen. Während in Riga die Theater spielten, begann am 1. September 1 Uhr nachts das Wirkungsschießen unserer Artillerie und Minenwerfer. Die Angriffsbatterien standen nicht vor dem Brückenkopf, sondern zwischen Düna-Hof und Borkowitz. Unter dem Schutz unseres Artilleriefeuers wurden drei Brücken über die Düna geschlagen und unsere Divisionen hinübergebracht. Auf dem Ostufer der Düna wurde, bis zu dem kleinen Jägel reichend, ein Brückenkopf errichtet und gegen starke russische Angriffe aus der Richtung Riga und aus der Richtung Kennewadel gehalten. Dann wurde die russische Stellung am Morgen durchstoßen und schon am 3. September abends reichte unsere Stellung bis zum großen Jägel. Mit ungestümer Angriffskraft, die jedes Hindernis überwand, und die sich auch durch das schwierige Gelände nicht nehmen ließ, drangen unsere Truppen immer weiter nordwärts vor und bereits am 3. September lag die Eisenbahnlinie Riga-Petersburg unter deutschem Feuer. Als die Russen die Größe unseres Durchbruchs erkannten, gingen ihre am Brückenkopf stehenden Korps in größter Eile zurück, von unseren Divisionen hart verfolgt. Bereits am 2. September abends war die auf dem Westufer der Düna liegende Vorstadt von Riga von Teilen unserer Truppen besetzt. Gestern Abend erfolgte die Einnahme von Riga von Osten und von Westen her. Die Einnahme dieser bedeutenden livländischen Stadt mit ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung ist natürlich nicht das Ziel unserer Operation gewesen. Diese nehmen planmäßig ihren Fortgang und erstrecken sich natürlich auch auf die im Rigaer Meerbusen liegende Festung Dünamünde. Die Landeoperationen werden dabei unterstützt durch die Marine. Bei dem überhasteten Rückzug der Russen kann mit Sicherheit über die Gefangenenzahl noch nichts gesagt werden. Sie wird erheblich sein und ebenso auch die Beute.

Diesen überraschend schnellen Erfolg, der nach gründlicher Vorbereitung schlagartig begann, verdanken wir wiederum unserer glänzenden Führung und der moralischen Kraft unserer Truppen. An der Führung sind hervorragend beteiligte der General Hutier, zusammen mit seinen Generalstabschef General Sauberzweig, Prinz Eitel Friedrich, die Generäle Riemann, von Kathen und Berrer. Wir freuen uns dieses neuen großen Erfolges, den unsere Oberste Heeresleitung weiter ausnützen wird. Im Osten und Westen wird die Entente mit neuen Angriffen darauf antworten. Wir haben das feste Vertrauen, daß diese zerschellen und uns den Sieg bei Riga nicht wieder streitig machen werden.

Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 9. September 2017.

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