Türkischer Wolfsgruß : Der Nationalismus wendet sich gegen Erdoğan

Der türkische Präsident beherrschte lange das Spiel mit dem Nationalismus. Er hat ihn nach Kräften geschürt. Doch nun kehrt er sich gegen ihn.
Nicht nur im Berliner Olympiastadion zeigten Tausende Fans des türkischen Teams am Samstag zur Nationalhymne den Wolfsgruß. Auch beim Public Viewing in der Türkei wurden trotzig die Hände zum Wolfskopf geformt. Die meisten Türken outeten sich damit nicht als Anhänger einer faschistischen Ideologie, sondern zeigten ihren Unmut über die Sperre des Nationalspielers Merih Demiral durch den Europäischen Fußballverband. Ihr Reflex folgt einem eingeübten Narrativ, das der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Dauerschleife predigt, seit der EU-Beitrittsprozess vor Jahren im Sande verlaufen ist. Europäische „Imperialisten“ wollten die Türkei kleinhalten und spalten, so wie vor hundert Jahren das Osmanische Reich.
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