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Nach dem U-Boot-Streit : Kamala Harris auf Charmeoffensive in Paris

Gedenken der gefallenen amerikanischen Soldaten im Ersten Weltkrieg: US-Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Ehemann Doughoff am Mittwoch auf dem Soldatenfriedhof Suresnes bei Paris Bild: AFP

Nach dem Streit mit Frankreich um die Sicherheitsallianz im Indopazifik nutzt die amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris einen viertägigen Besuch in Paris für versöhnliche Gesten – und für eine private Spurensuche.

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          Sie freue sich so sehr, in Paris zu sein, hat die amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris gleich zum Auftakt ihres Besuchs betont. Vier Tage lang stehen versöhnliche Gesten auf ihrem Programm in der französischen Hauptstadt. „Ich freue mich auf viele fruchtbare Gespräche, um unsere starke Beziehung noch mehr zu stärken“, sagte sie. Hintergrund der amerikanischen Charmeoffensive ist die schwere diplomatische Krise, mit der Frankreich auf die Ankündigung einer neuen Sicherheitsallianz für den Indopazifik (AUKUS) zwischen den Vereinigten Staaten, Australien und Großbritannien reagierte.

          „Tollpatschig“ verhalten

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Außenminister Jean-Yves Le Drian beklagte einen „Dolchstoß in den Rücken“, weil Frankreich aus AUKUS ausgeschlossen bleibt. Seither hat die amerikanische Regierung mit versöhnlichen Gesten nicht gespart. Nach einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Rande des G20-Gipfels in Rom sagte der amerikanische Präsident Joe Biden, die Vereinigten Staaten hätten sich in dieser Angelegenheit „clumsy“ verhalten, also tollpatschig.

          Biden hatte sich zur Aussprache mit Macron eigens in die Villa Bonaparte, die französische Botschaft beim Vatikan, begeben. An Gesten, mit denen die gekränkten Franzosen versöhnlich gestimmt werden sollen, lässt es auch Harris nicht mangeln. Allein die Dauer ihres Aufenthalts in der französischen Hauptstadt – vier Tage und fünf Nächte – zeuge von der Wertschätzung, freute sich die Zeitung Le Figaro.

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          Bevor sie am Mittwochnachmittag mit Präsident Macron im Elysée-Palast zu einem Gespräch über aktuelle internationale Themen zusammentraf, hat die Vizepräsidentin das Institut Pasteur in Paris besucht. Die Forschungseinrichtung steht in der Kritik, weil es ihr nicht gelang, in der Pandemie einen Impfstoff zu entwickeln. Es nagt am französischen Selbstbewusstsein, dass der Forschungsstandort Deutschland von französischen Forscherinnen wie der Chemie-Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier bevorzugt wird.

          Die Entdeckerin der Gen-Schere CRISPR hat die Debatte darüber angeheizt, warum Talente in der Grundlagenforschung lieber in andere Länder abwandern. Harris lobte bei ihrem Besuch im Institut Pasteur hingegen die herausragende Forschungszusammenarbeit mit USA und sagte: „Einige der wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen, ob zur Tollwut, zu Aids, Brustkrebs oder mRNA sind hier in Zusammenarbeit mit französischen Wissenschaftlern gemacht worden.“

          Ehrung für gefallene amerikanische Soldaten

          Sie wisse das genau, denn ihre Mutter Shyamala Gopalan habe in den Achtzigerjahren am Institut Pasteur zu Brustkrebs geforscht. Am Dienstagabend traf sei mit einem Forscher zusammen, der mit ihrer 2009 verstorbenen Mutter zusammengearbeitet hatte.

          An diesem Donnerstag will Harris an der Seite Macrons am Arc de Triomphe die Gedenkfeier zum Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 eröffnen. Sie soll auch beim anschließenden Internationalen Friedensforum eine Rede zu den Themen künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Kampf gegen Fake News und Drohungen gegen die Presse halten.

          Am Mittwochnachmittag besuchte Harris den amerikanischen Soldatenfriedhofs in Suresnes bei Paris, um die gefallenen amerikanischen Soldaten zu würdigen. 2018 hatte es zu Unmut geführt, als Präsident Donald Trump in Paris seinen Gedenkbesuch auf einem amerikanischen Soldatenfriedhof kurzfristig absagte, vorgeblich weil es regnete. Harris kommt am Freitag dem Wunsch Präsident Macrons nach und nimmt an der Libyen-Konferenz in Paris teil. Sie reist am Samstag wieder zurück.

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