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Streit über Peter Handke : Groteske Geschichtsklitterung

Schriftsteller Peter Handke Bild: dpa

Heute wird Peter Handke in Stockholm der Literaturnobelpreis verliehen. Die Debatte über seine Auszeichnung zeigt, wie anfällig selbst solche Milieus für Verschwörungstheorien sind, die sich für aufgeklärt und weltoffen halten.

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          Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Peter Handke ist nicht der einzige Schriftsteller, der Massenmörder verehrt und ihre Taten bagatellisiert, geleugnet oder gerechtfertigt hat. Auf allen blutigen Irrwegen des 20. Jahrhunderts waren Literaten ganz vorn mit dabei. Bedeutende Autoren haben den roten Terror nach der russischen Revolution glorifiziert und Stalin verherrlicht, für den Faschismus geworben und antisemitische Pamphlete verfasst. Sie schwammen damit in einem breiten Strom: Extrem rechte wie linke Bewegungen hatten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts breite Massen erfasst. Aus heutiger Sicht groteske und inakzeptable Äußerungen lagen damals innerhalb der Norm.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Handkes oft falsch als „proserbisch“ bezeichnetes Eintreten für serbische Kriegsverbrecher fällt aus diesem Muster jedoch heraus. Er tritt als Einzelgänger auf, sein Anliegen ist außerhalb Serbiens fast nirgendwo salonfähig. Auch die meisten Fürsprecher Handkes distanzieren sich von seinen Äußerungen zu den Jugoslawien-Kriegen.

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