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Abschied von John Lewis : Einer der großen Helden Amerikas

  • Aktualisiert am

Barack Obama bei der Trauerfeier in Atlanta Bild: AP

Amerika verabschiedet sich von dem einstigen Weggefährten Martin Luther Kings: Bei der Trauerfeier für den Bürgerrechtler John Lewis sprachen gleich drei frühere Präsidenten. Der Geehrte hinterließ am Tag seines Todes noch einen letzten eindringlichen Appell an die Menschen.

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          Drei frühere amerikanische Präsidenten haben den verstorbenen Bürgerrechtler und demokratischen Kongressabgeordneten John Lewis als einen der großen Helden Amerikas gewürdigt. Lewis sei im Kampf gegen Ungleichheit und Rassismus von „unverwüstlicher Beharrlichkeit“ gewesen, sagte der frühere Präsident Barack Obama am Donnerstag. Trotz aller Herausforderungen sei Lewis stets zuversichtlich geblieben und habe sich für Fortschritt und gleiche Rechte eingesetzt. Obama, der bislang einzige schwarze Präsident der Vereinigten Staaten, sagte, er und viele Amerikaner stünden für immer in Lewis’ Schuld. Lewis sei einer der „Gründerväter“ eines besseren und gerechteren Amerikas, sagte Obama.

          Der frühere Präsident ging in seiner energischen Rede weit über eine Würdigung des im Alter von 80 Jahren Verstorbenen hinaus und kritisierte seinen Nachfolger Donald Trump für dessen Vorgehen gegen Demonstranten. „Wir werden Zeugen, wie unsere Bundesregierung Polizeiagenten entsendet, um Tränengas und Schlagstöcke gegen friedliche Demonstranten einzusetzen“, sagte er. Der erste schwarze Präsident der amerikanischen Geschichte kritisierte zudem Versuche „von jenen an der Macht“, Afroamerikaner und andere Minderheiten vom Wählen abzuhalten. Obama nannte unter anderem die Schließung von Wahllokalen, ein Erschweren von Briefwahlen sowie verschärfte Regeln zur Wählerregistrierung, von der Minderheiten besonders betroffen sind. „Unsere Wahlrechte werden mit chirurgischer Präzision beschnitten“, sagte der Demokrat in einer stellenweise kämpferischen Rede, ohne seinen Amtsnachfolger namentlich zu nennen.

          Trump hatte unter anderem Bundespolizisten in die Stadt Portland entsandt, die dann mit großer Härte gegen Demonstranten vorgingen. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Mai hat landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze ausgelöst. Am Rande der meist friedlichen Proteste kam es wiederholt zu Ausschreitungen.

          Der republikanische frühere Präsident George W. Bush würdigte Lewis mit den Worten: „Wir leben heute wegen John Lewis in einem besseren Land.“ Lewis habe allen Menschen beigebracht, „Hass und Angst mit Liebe und Hoffnung“ zu beantworten, sagte Bush bei der Trauerfeier für Lewis in einer Baptistenkirche in Atlanta im Bundesstaat Georgia.

          Bush fügte hinzu, er sei politisch nicht immer einer Meinung mit dem Demokraten gewesen, aber genau das mache die Größe Amerikas aus, für die Lewis gekämpft habe. Der frühere Präsident Bill Clinton wiederum sagte, er habe mit Lewis’ Tod einen wahren Freund verloren. Lewis habe den Menschen gezeigt, dass man im Kampf gegen Ungerechtigkeit nie aufgeben dürfe, sagte der Demokrat. „Was auch immer passierte, John Lewis marschierte weiter“, sagte Clinton.

          In Memoriam: Eine Frau unterschreibt ein Banner mit dem Konterfei von John Lewis vor der Baptistenkirche in Georgia, in der sich die Trauernden versammelt hatten. Lewis richtete in der „New York Times“ am Tag seiner Beerdigung letzte Worte an die Menschen: „Jetzt sind Sie dran, die Freiheit hochzuhalten.“
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          Trauer um John Lewis : „Jetzt sind Sie dran, die Freiheit hochzuhalten“

          Lewis war am 17. Juli im Alter von 80 Jahren infolge einer Krebserkrankung gestorben. Er hatte sich bereits als junger Mann an der Seite von Martin Luther King für das Wahlrecht, Gleichheit und gegen Rassismus eingesetzt. Er wurde in seinem Leben mehrere Male von Polizisten oder wütenden Weißen verprügelt und wurde Dutzende Male bei Protesten festgenommen. Auch in seinen mehr als 30 Jahren als Abgeordneter setzte sich Lewis ab 1987 für Freiheitsrechte, Armutsbekämpfung und Gleichheit ein. Er war stets stolz darauf, „guten Ärger“ zu machen, wenn es darum ging, gegen Ungerechtigkeit und Rassismus zu protestieren.

          Neben den drei früheren Präsidenten sprachen während des Gottesdienstes auch die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sowie Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter von Lewis. Präsident Donald Trump nahm nicht an der Feier teil. Lewis hatte den Republikaner häufig und teils bissig kritisiert.

          Und Lewis meldete sich auch nach seinem Tod abermals zu Wort: Auf seinen Wunsch hin wurde in der „New York Times“ am Tag seiner Beerdigung ein von ihm geschriebener Meinungsbeitrag veröffentlicht. Darin forderte er die Menschen auf, weiter gegen Ungerechtigkeit zu protestieren und zur Wahl zu gehen. Das Wahlrecht sei das mächtigste gewaltfreie Mittel, sich in einer Demokratie für Veränderungen einzusetzen, schrieb er.

          Zur Wahl zu gehen sei der Schlüssel zum Fortschritt im Land, argumentierte er in dem rund drei Monate vor der Präsidentenwahl am 3. November veröffentlicht Appell. Lewis schrieb, die jüngsten Proteste gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz hätten ihn tief bewegt. Er forderte die Menschen auf, Ungerechtigkeiten nie hinzunehmen, sondern dagegen zu protestieren. „Obwohl ich wahrscheinlich nicht mit Ihnen dort bin, fordere ich Sie auf, dem dringendsten Ruf Ihres Herzens zu folgen und für das aufzustehen, was Sie wirklich glauben“, schrieb Lewis. Er habe in seinem Leben alles für den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Hass gegeben. „Jetzt sind Sie dran, die Freiheit hochzuhalten.“

          Zuvor war Lewis’ Leichnam diese Woche auch im amerikanischen Kongress öffentlich aufgebahrt gewesen – eine Ehre, die in der Geschichte Amerikas bislang nur wenigen Dutzend Amerikanern zuteil geworden ist.

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