Libyen : Die Gefangenen der Revolutionäre

Der große Rachefeldzug der Rebellen ist bislang ausgeblieben, Plünderungen beschränken sich auf Regierungsgebäude. Das Schicksal der gefangenen Gaddafi-Kämpfer hängt davon ab, in wessen Hände sie fallen.
Die Autobahn zum Flughafen von Tripolis ist gespenstisch leer und wirkt unheimlich. Gibt es hier noch versteckte Kämpfer oder Scharfschützen Gaddafis? Obwohl in der Stadt akuter Wassermangel herrscht, laufen zu beiden Seiten des Asphaltbands Sprinkleranlagen, die Pflanzungen mit Fruchtbäumen und Reben bewässern. Im Schatten einer Brücke taucht endlich eine Straßensperre der Rebellen auf. Damit ist klar, dass der Weg zum Flughafen unter ihrer Kontrolle ist. Aber bei den Abflugterminals ist am Wochenende die Reise in der letzten Deckung vor dem Rollfeld vorerst zu Ende. Über die Köpfe einiger Sanitäter, die vor der leeren Flughafenklinik auf Verwundete warten, surren immer noch gelegentlich Kugeln. Jenseits der Startbahn steigt dunkler Rauch auf. Dort haben Nato-Flugzeuge Bomben abgeworfen. „Komm morgen wieder vorbei“, sagen die Sanitäter. „Dann wird es hier sicher sein, und wir können uns Gaddafis Privatflugzeug angucken.“





