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Kommentar : Ägyptische Kluft

Die Machthaber und die jungen Revolutionäre in Ägypten können nicht erwarten, dass die Muslimbrüder sich in ihr politisches Schicksal fügen. Die Gefahr des Blutvergießens ist nicht gebannt.

          Die Anhänger des entmachteten Präsidenten Mursi sehen sich um ihren Sieg an der Wahlurne betrogen und gehen auf die Straße - ihre Gegner rechtfertigen die Absetzung des ersten frei gewählten Präsidenten Ägyptens mit dem Argument, dessen Regierung sei nicht demokratisch gewesen, sondern totalitär, und gehen auf die Straße. Die Bevölkerung war schon vor dem Eingreifen des Militärs gespalten, danach ist die Kluft noch größer geworden.

          Die Machthaber und die jungen Revolutionäre können nicht erwarten, dass die Muslimbrüder und ihre Gefolgschaft sich so einfach in ihr politisches Schicksal fügen, ob nun Hunderttausende oder Zehntausende demonstrieren. Auch dürften sie künftige Angebote, in die Übergangsregierung einzutreten, zurückweisen, andernfalls beraubten sie sich ihrer eigenen Argumente.

          Deswegen ist die Gefahr weiteren Blutvergießens nicht gebannt. Besonnen müssen sich alle politischen Kräfte verhalten, auch das Militär, das sich nicht zu neuer Willkür hinreißen lassen sollte (jetzt, da Washington sich faktisch auf seine Seite gestellt hat). Ägypten stehen harte Auseinandersetzungen bevor.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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