Italien : Nerven blank
Die Krise in der Eurozone legt schonungslos die Schwächen der Mitglieder frei. Deswegen ist der Druck so groß, und deswegen hat Italien das Gefühl, es werde lächerlich gemacht.
Jetzt ist auch Staatspräsident Napolitano empört über die aus italienischer Sicht ungezogene Art, in der sein Land in Gestalt des Regierungschefs von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy behandelt worden sei. Zuvor hatte sich Berlusconi selbst Lektionen verbeten.
Tatsächlich zeugt es von schlechten Manieren, einem EU-Partner das Gefühl zu geben, er werde lächerlich gemacht. Soviel Theatralik auf offener Bühne wie am Sonntag in Brüssel muss nicht sein. Auf einem anderen, sachlichen Blatt stehen die Unzulänglichkeit der Reform- und Sparbeschlüsse Roms und die Uneinigkeit der Koalitionsparteien.
Selbst wenn die Lega Nord etwa eine Erhöhung des Renteneintrittsalters brüsk von sich weist und dafür Neuwahlen in Kauf nimmt, so kann sie sich wie Berlusconi nicht der Einsicht verweigern, dass Italien solide Wachstumsperspektiven braucht, welche die Regierung dem Land bisher nicht eröffnet hat.
Diese zu fordern ist nicht ungehörig, sondern geboten. Die Krise in der Eurozone legt schonungslos die Schwächen der Mitglieder frei; deswegen ist der Druck so groß. Deswegen liegen die Nerven blank.



