https://www.faz.net/-gpf-9zl1m

Digitale Vergeltung : Israelischer Cyberangriff auf iranischen Hafen

Der iranische Hafen Bandar Abbas im Juli 2019 auf einem Satellitenbild Bild: dpa

Ein Terminal im iranischen Hafen Bandar Abbas sei vor zehn Tagen zum Stillstand gebracht worden. Möglicherweise war es eine israelische Warnung vor digitalen Angriffen auf zivile Ziele.

          2 Min.

          Israel hat einem amerikanischen Pressebericht zufolge einen Cyberangriff auf eine kürzlich fertiggestellte iranische Hafenanlage bei Bandar Abbas durchgeführt. Wie die „Washington Post“ am Dienstag berichtete, sei der Angriff vor zehn Tagen erfolgt und habe „das geschäftige Terminal Shahid Rajee zu einem abrupten und unerklärlichen Halt gebracht“. Der frühere israelische Militärgeheimdienstchef Amos Yadlin twitterte, dies scheine eine israelische Reaktion auf einen iranischen Cyberangriff in Israel gewesen zu sein, der Ende April auf zivile Wasser- und Abwasseranlagen zielte.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Israelischen Medienberichten zufolge hatte dieser iranische Angriff kaum Schaden angerichtet. Vor rund zwei Wochen war das israelische Sicherheitskabinett zusammengekommen, um über den Fall zu beraten. Israelische Vertreter wurden zu dem Zeitpunkt mit den Worten zitiert, man sehe den iranischen Angriff als gravierende Eskalation Teherans, da er auf zivile Anlagen zielte. Wie der Sender Fox News damals berichtete, hätten die Iraner Server in Amerika genutzt, um darüber die Steuerungssysteme der israelischen Wasserversorgung anzugreifen.

          Teheran hatte diesen Angriff nicht zugegeben, vergangene Woche jedoch einen Cyberangriff auf seinen Hafen bestätigt: Dieser habe es jedoch „nur geschafft, einzudringen und eine Reihe von privaten Steuerungssystemen des Hafens zu beschädigen“, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Ilna den Hafendirektor. Ein Sicherheitsvertreter „einer ausländischen Regierung“ sagte dagegen nun der „Washington Post“, der Angriff sei erfolgreich verlaufen und habe weit mehr Schaden angerichtet als die Iraner zugeben würden. Ein amerikanischer Regierungsvertreter sagte der Zeitung, man vermute Israel hinter dem Angriff.

          „Wenn die Antwort aus Israel kam“, so Amos Yadlin, „dann gibt Israel damit die klare Botschaft, dass zivile Infrastruktur aus dem Spiel gelassen werden sollte“. Außerdem zeige Israel, „wie anfällig Schlüsselkomponenten der iranischen Wirtschaft für israelische Cyberfähigkeiten sind“. Yadlin, der mittlerweile das Institut für Sicherheitsstudien in Tel Aviv leitet, gab an, dass sowohl Iran als auch die Vereinigten Staaten auf die Cyberebene zurückgreifen würden, wenn „sie im kinetischen Bereich nicht eskalieren wollen“, womit Yadlin Kampfhandlungen mit konventionellen Waffen meinte. Die israelische Regierung und die Streitkräfte äußerten sich am Dienstag zu dem Vorfall zunächst nicht.

          Der unerklärte Krieg zwischen Israel und Iran läuft auf mehreren Feldern ab. Ein ranghoher Offizier der Cyberabwehr sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einiger Zeit, Israel sei jeden Tag Tausenden Cyberangriffen ausgesetzt, die indes aus vielen Teilen der Welt  kommen. Tel Aviv wiederum geht im Cyberbereich auch offensiv vor, was spätestens 2010 durch das zusammen mit Amerika entwickelte Schadprogramm Stuxnet bekannt wurde, das auf die Steuerung iranischer Nuklearanlagen abzielte. Seit spätestens 2013 greift Israel darüber hinaus konventionell regelmäßig iranische Stellungen in Syrien an. Ein Vertreter der amerikanischen Regierung sagte vergangene Woche am Rande des Besuchs von Außenminister Mike Pompeo in Jerusalem, es „scheine“, als würde Israel in Syrien „das Tempo seiner Operationen und seine Ziele ausweiten“.

          Weitere Themen

          Wehrpflicht? Nein, danke!

          Reaktionen auf Högl-Vorschlag : Wehrpflicht? Nein, danke!

          Die Wehrbeauftragte will eine Debatte über die Wiedereinsetzung. Dafür erntet sie heftige Kritik. Die Verteidigungsministerin schlägt einen Freiwilligendienst vor – ohne Högl zu erwähnen.

          Topmeldungen

          Kulissen wie diese am Grundlsee ziehen Urlauber normalerweise in Scharen nach Österreich. 280.000 Menschen leben dort direkt vom Tourismus.

          Tourismus in Österreich : Urlaub nach der „Ischgl-Lektion“

          Ferien in Österreich: Das verspricht Erholung zwischen Bergen und Seen. Doch in der Corona-Krise zeigt das Geschäftsmodell seine Risiken. Warum das Land die Gäste aus Deutschland nun so dringend braucht.
          Wer will, wer hat noch nicht? Rekruten der Bundeswehr nehmen am 20. Juli 2009 vor dem Reichstagsgebäude in Berlin an einem öffentlichen Gelöbnis teil.

          Reaktionen auf Högl-Vorschlag : Wehrpflicht? Nein, danke!

          Die Wehrbeauftragte will eine Debatte über die Wiedereinsetzung. Dafür erntet sie heftige Kritik. Die Verteidigungsministerin schlägt einen Freiwilligendienst vor – ohne Högl zu erwähnen.
          Was vor 30.000 Jahren mit poliertem Gestein anfing, wurde im 19. Jahrhundert unter Strom gesetzt und erhält heute Design-Awards. Julia Ossko und Eugen Schulz setzten die Geschichte der Sexspielzeuge bildhaft in Szene.

          Die Geschichte der Sextoys : Komm, lass uns spielen

          Von Stein zu Silikon, vom Phallus zum Designobjekt – Sexspielzeuge sind (fast) so alt wie die Menschheit. Das Schmuddelimage war einmal, mittlerweile sind Dildos und andere Spielzeuge in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

          Sommer-Transfermarkt : Eine ganz klare Ansage des FC Bayern

          Mit Leroy Sané gab es einen Millionen-Einkauf. Wie geht es nun weiter beim FC Bayern auf dem Transfermarkt? Karl-Heinz Rummenigge gibt Einblicke in die Münchner Planungen – vor allem mit Blick auf Kai Havertz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.