https://www.faz.net/-gpf-6wqy7

Iran : Obamas Warnung

Nadelöhr der Weltwirtschaft: Die Straße von Hormus Bild: dpa

Das Verhältnis Irans zu Amerika hat sich in den vergangenen Jahren noch verschärft. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass Obama in Wahlkampfzeiten nicht die Nerven für eine Konfrontation hätte. Er bleibt Oberbefehlshaber.

          1 Min.

          Über geheime Kanäle - das könnte das Sultanat Oman sein - soll die amerikanische Regierung den obersten Führer in Teheran, Ajatollah Chamenei, vor einer Sperrung der Straße von Hormus gewarnt haben. Offenkundig schätzt sie die Lage nach entsprechenden Äußerungen und Manövern als so unberechenbar und potentiell explosiv ein, dass ihr eine solche Warnung an den mächtigsten Mann in der iranischen Führung geboten schien. Dort sollte sich eigentlich jeder ausmalen können, welche unmittelbaren Folgen die Schließung dieses Nadelöhrs der Weltwirtschaft durch Iran für Iran hätte: Die Vereinigten Staaten würden militärisch reagieren und die Freiheit der Seewege erzwingen. Präsident Obama hat die „rote Linie“ noch einmal nachgezogen, auf dass es keine Missverständnisse gebe: Eine Schließung der Straße von Hormus wäre ein Kriegsgrund!

          Obama bleibt Oberbefehlshaber

          Dass Obama eine solche Warnung aussprechen würde, hätte er vermutlich auch zu Beginn seiner Amtszeit nicht ausschließen wollen (und schon gar nicht können). Aber damals, nach acht Jahren Bush, war er von dem Willen beseelt, nicht zuletzt das Verhältnis zu Gegnern und Feinden der Vereinigten Staaten auf eine neue Grundlage zu stellen. Obama schrieb direkt an Chamenei und das in einem Ton, den nicht nur seine innenpolitischen Kritiker als über die Maßen freundlich empfanden. Die Avancen, zu denen Obamas nur sehr verhaltene Unterstützung der iranischen Opposition gehört, wurden kalt ignoriert; das Regime schlug die ausgestreckte Hand aus. Das Verhältnis Irans zu Amerika und zum Westen im Allgemeinen hat sich nicht entspannt, es hat sich noch verschärft. Der Atomkonflikt liefert die wichtigste Erklärung hierfür.

          Die iranischen Drohungen dürften dazu gedacht sein, den Europäern, die nun ebenso wie Washington Sanktionen gegen die iranische Ölindustrie beschließen wollen, den Schneid abzukaufen. Würden sie wahr gemacht, schadetet sich Iran wirtschaftlich selbst, von den Folgen einer militärischen Eskalation ganz abgesehen. Eine solche Aktion wäre also verheerend. Aber wer kennt schon Teherans Schaden- und Nutzenkalkulation? Vielleicht mögen einige dort der Auffassung sein, sie könnten den amerikanischen Streitkräften großen Schaden zufügen. Das stimmt vielleicht sogar. Aber es wäre ein Irrtum zu glauben, dass in Wahlkampfzeiten Obama nicht die Nerven für eine Konfrontation hätte. Er bleibt Oberbefehlshaber.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Weitere Themen

          Ehrungen als Dienst nach Vorschrift

          Kretschmanns Verdienstorden : Ehrungen als Dienst nach Vorschrift

          Baden-Württembergs Ministerpräsident verleiht den Verdienstorden des Landes, doch die Liste der Geehrten scheint aus der Zeit gefallen: Nicht einer ist dabei, weil er sich in der Corona-Krise verdient gemacht hat.

          Massenproteste in Brasilien Video-Seite öffnen

          Bolsonaros Corona-Politik : Massenproteste in Brasilien

          Zehntausende haben in Brasilien erneut für die Amtsenthebung und gegen die Corona-Politik des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro demonstriert. Kundgebungen waren in mehr als 400 Städten angekündigt.

          Topmeldungen

          Afghanistan : Eine Stadt in Angst

          Die Taliban stehen vor Kabul. Viele Einwohner der afghanischen Hauptstadt sind verzweifelt und fragen sich, ob sie fliehen sollen. Ein paar junge Frauen wollen kämpfen.

          Basketball-Star Luka Dončić : Schaut diesem Jungen zu!

          Luka! Die besten Basketballspieler werden beim Vornamen genannt. Der Slowene Dončić will in Tokio den Entertainern der USA die Show stehlen. Denn vielleicht ist seine erste Chance schon die letzte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.