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Proteste in Bolivien : Eskalation im ganzen Land

Kampfbereit: Demonstranten in Boliviens Hauptstadt La Paz Bild: Reuters

In Bolivien spitzt sich der Konflikt zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Evo Morales zu. Eine Bürgermeisterin wird entführt, geschoren, mit Farbe übergossen und durch den Ort getrieben – als Vergeltung für einen getöteten Studenten.

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          Patricia Arce musste durch die Hölle gehen. Demonstranten entführten die Bürgermeisterin der bolivianischen Stadt Vinto, schnitten ihr die Haare ab, übergossen sie mit roter Farbe und trieben sie barfuß durch die Straßen. Die Aktion war als Vergeltung gedacht. Die Bürgermeisterin, die der Regierungspartei von Präsident Evo Morales angehört, soll einen Mob organisiert haben, um von Oppositionsanhängern errichtete Barrikaden in der nahe gelegenen Stadt Cochabamba aufzulösen. Dabei wurde am Mittwoch ein 20 Jahre alter Student getötet. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Morales wurden in Cochabamba und in benachbarten Städten zudem fast hundert Personen verletzt. Auch in der Hauptstadt La Paz und in anderen Städten kam es in dieser Woche zu Zusammenstößen.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Auslöser der Unruhen war die Präsidentenwahl am 20. Oktober, bei der Morales sich zum Sieger erklärt hatte. Die Opposition spricht von Wahlbetrug. Die Beobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten wies auf Unregelmäßigkeiten hin und schlug eine Stichwahl zwischen Morales und dem zweitplatzierten Carlos Mesa vor. Das lehnte Morales jedoch ab. Noch bevor die Endergebnisse der Wahl feststanden, ging die Opposition auf die Barrikaden. Mehrere Städte sind seit drei Wochen durch Streiks lahmgelegt. Morales hat die ihm wohlgesinnten Gewerkschaften der Bergleute und Kokapflanzer aufgerufen, sich den Protesten entgegenzustellen.

          Zur führenden Figur des Widerstands ist der Präsident des Bürgerkomitees der Stadt Santa Cruz, Luis Fernando Camacho, geworden. Er fordert den Rücktritt von Morales sowie Neuwahlen ohne dessen Teilnahme. Die Opposition hat sich inzwischen mehrheitlich hinter diese Forderung gestellt. Eine abermalige Wiederwahl von Morales sei bereits 2016 in einem Referendum ausgeschlossen worden. Regierungsnahe Richter hatten Morales dennoch den Weg für eine wiederholte Kandidatur geebnet. Camacho will Morales ein Rücktrittsschreiben zur Unterschrift vorlegen. Er werde nicht aus La Paz abziehen, bevor er Morales das Rücktrittsschreiben persönlich und in aller Öffentlichkeit übergeben habe, sagte Camacho.

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