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Logbuch der Alan Kurdi (10) : Erfolgreiches Ende einer Rettung

Ein Rettungsboot der „Alan Kurdi“ im Mittelmeer Bild: Julia Anton

Auch im Fall der zweiten Rettung konnte die „Alan Kurdi“ die Geflüchteten an die Malteser übergeben. In die Zwölf-Meilen-Zone durfte das Schiff abermals nicht. Die Crew will nun die Heimreise antreten – und sich für die nächste Mission vorbereiten.

  • -Aktualisiert am

          Zuerst übergab die Besatzung der „Alan Kurdi“ den maltesischen Streitkräften am Dienstagmittag den ein Jahr alten Yusuf und seine beiden Geschwister. Die Rettungswesten waren den Kleinkindern zu groß, weshalb alle besonders Acht gaben. Dann folgten ihre Eltern und die weiteren 39 Menschen, die das Schiff des deutschen Vereins Sea-Eye am Montagabend von einem Holzboot mit defektem Motor gerettet hatte.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Die „Alan Kurdi“ war am Montagvormittag kaum wieder in der Such- und Rettungszone (SAR-Zone) vor Libyen angekommen, als der Kapitän über einen allgemeinen Funkkanal den Notruf eines tunesischen Fischers mithörte. Dieser informierte die Küstenwache von Lampedusa über die Menschen in Not. Weil die Position, die er angab, jedoch in der SAR-Zone unter Zuständigkeit der Malteser lag, alarmierte die „Alan Kurdi“ die Seenotleitstelle in Valletta und setzte Kurs auf die mehr als 50 Meilen entfernte Position.

          Bis zum Eintreffen des Schiffes am Abend hatten auch zwei Frachter auf die Notfallmeldung der Seenotleitstelle reagiert. Da die „Alan Kurdi“ als Rettungsschiff mit ausreichend Rettungswesten und medizinischem Personal ausgerüstet ist, bot sie den Frachtern ihre Hilfe an, versorgte die Menschen auf dem Boot mit den Westen und holte sie schließlich auch an Bord.

          Die Geretteten berichteten, am Samstag an der libyschen Küste losgefahren zu sein. Allerdings sei ihnen nach einem Tag das Benzin ausgegangen, sodass sie hilflos auf dem Meer trieben. Neben den drei Kindern waren auch vier Frauen an Bord. Die Geflüchteten stammten aus Libyen, Syrien, Palästina und Pakistan. Ihr Gesundheitszustand war aber stabil, als sie an Bord der „Alan Kurdi“ kamen. Einige fielen auf die Knie und beteten, als sie in Sicherheit waren.

          Die Malteser kündigten zunächst an, die Menschen noch an der Rettungsstelle abzuholen, forderten den Kapitän der „Alan Kurdi“ dann aber doch auf, gen Malta zu fahren. Da sie die Abholposition mehrmals korrigierten, sodass sie schließlich nur noch rund 20 Seemeilen von dem Inselstaat entfernt war, erreichte das deutsche Schiff die Malteser erst am Dienstagmittag. In die Zwölf-Meilen-Zone durfte die „Alan Kurdi“ abermals nicht fahren.

          Die Besatzung entschied daraufhin am Dienstagabend, dass es nun nach Hause gehen soll. Vorübergehend ist dann keine NGO in der SAR-Zone, aber laut einer Twitter-Nachricht legt die „Mission Lifeline“ in Kürze ab und will auch wieder Kurs auf die Gewässer vor Libyen nehmen. Zwei Rettungen und die anschließende Betreuung der Geflüchteten in kurzer Zeit hätten die Crew viel Kraft gekostet, sagte der Einsatzleiter der „Alan Kurdi“, Gorden Isler. Priorität habe nun, das Schiff wieder für die nächste Mission in wenigen Wochen vorzubereiten.

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