https://www.faz.net/-gpf-a3ypo

Chinas Deutschlandbild : Stolz auf die einstige Friedrichstraße von Qingdao

Einmal im Jahr feiern sie in Qingdao das Oktoberfest. Bild: thomas dworzak / Magnum Photos /

Ein Heimatforscher aus Qingdao will in China positiv an die deutsche Kolonialgeschichte erinnern. Das stößt in beiden Ländern an Grenzen.

          6 Min.

          Selbst sperrige deutsche Worte wie „Seesoldaten“ und „Genesungsheim“ gehen Zhu Yijie leicht über die Lippen. „Sehen Sie, das Seemannshaus hier ist heute ein Club für Filmgeschichte“, sagt der Stadthistoriker aus Qingdao in fast fehlerfreiem Deutsch. Zhu sitzt im Garten der früheren Residenz des deutschen Gouverneurs in der Küstenstadt im Osten Chinas. Von hier aus hat man einen weiten Blick über die Altstadt, den Hafen und das Meer. Vor sich hat Zhu einen Stapel Postkarten aus der Kolonialzeit ausgebreitet. Die freundlichen Grüße, die irgendwelche Deutschen vor 120 Jahren darauf geschrieben haben, kann man heute kaum noch entziffern. Doch dem Historiker fällt zu jeder seiner Karten eine Geschichte ein. Und er kann sie mühelos im heutigen Stadtbild verorten. „Der Hügel hier, das ist der da drüben“, sagt er und zeigt mit dem Finger nach Osten. Die Karten hat er bei einem deutschen Flohmarkthändler im Internet gekauft.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Der Stadthistoriker, der an der Universität von Qingdao Deutsch unterrichtet, versteht sich als Mittler zwischen den Kulturen. Er will zum gegenseitigen Verständnis zwischen Deutschland und China beitragen. Auch durch das gemeinsame Erinnern an die Kolonialgeschichte. Das ist freilich nicht so einfach. Da sind zum einen die Sensibilitäten auf chinesischer Seite. Die deutsche Besatzungszeit war Teil des „Jahrhunderts der Schande“, damit ist die Zeit zwischen 1840 und 1942 gemeint. Damals trotzten imperialistische Mächte dem chinesischen Kaiserreich mit Waffengewalt ungleiche Pachtverträge und Reparationszahlungen ab.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Politik im Fußball : Wenn der Hass geweckt wird

          Die Schlacht von Göteborg 1958 war ein Musterbeispiel für die Politisierung des Fußballs. Auch heute gilt: Egal, mit welcher Botschaft er sich in seiner aggressiven Beschränktheit auflädt, es ist die falsche.