Chinas Deutschlandbild : Stolz auf die einstige Friedrichstraße von Qingdao

Ein Heimatforscher aus Qingdao will in China positiv an die deutsche Kolonialgeschichte erinnern. Das stößt in beiden Ländern an Grenzen.
Selbst sperrige deutsche Worte wie „Seesoldaten“ und „Genesungsheim“ gehen Zhu Yijie leicht über die Lippen. „Sehen Sie, das Seemannshaus hier ist heute ein Club für Filmgeschichte“, sagt der Stadthistoriker aus Qingdao in fast fehlerfreiem Deutsch. Zhu sitzt im Garten der früheren Residenz des deutschen Gouverneurs in der Küstenstadt im Osten Chinas. Von hier aus hat man einen weiten Blick über die Altstadt, den Hafen und das Meer. Vor sich hat Zhu einen Stapel Postkarten aus der Kolonialzeit ausgebreitet. Die freundlichen Grüße, die irgendwelche Deutschen vor 120 Jahren darauf geschrieben haben, kann man heute kaum noch entziffern. Doch dem Historiker fällt zu jeder seiner Karten eine Geschichte ein. Und er kann sie mühelos im heutigen Stadtbild verorten. „Der Hügel hier, das ist der da drüben“, sagt er und zeigt mit dem Finger nach Osten. Die Karten hat er bei einem deutschen Flohmarkthändler im Internet gekauft.
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