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Amerika und der Nahe Osten : Der längste Krieg

Amerikanische Truppen in der Nähe von Manbij in der Nähe der syrischen Grenze Bild: AP

Noch im Wahlkampf erweckte Donald Trump den Eindruck, er wolle sich komplett aus dem Nahen Osten zurückziehen. Doch womöglich wird Trump jetzt merken, dass auch er keine Wunder bewirken kann. Ein Kommentar.

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          Seit mehr als fünfzehn Jahren führen die Vereinigten Staten Krieg im Mittleren Osten und in Vorderasien. Es ist die Folge des „Angriffs auf Amerika“ im Herbst 2001, des „11. September“. Präsident Obama zog die Kampftruppen im Irak ab, weil ein entsprechendes Stationierungsabkommen mit der Regierung in Bagdad nicht zustande kam. Eine Folge davon war das Wiedererstarken des sunnitischen Dschihadismus dort – des Vorgängers des sogenannten „Islamischen Staates“. Obama musste nach und nach wieder amerikanische Soldaten ins Zweistromland schicken. Zwischenzeitlich wollte er auch die amerikanische Militärpräsenz in Afghanistan drastisch herunterfahren. Auch daraus ist nichts geworden, jedenfalls nicht ganz. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor militärisch präsent im Land am Hindukusch.

          Obamas Nachfolger Donald Trump hatte im Wahlkampf isolationistische Töne von sich gegeben, die darauf schließen ließen, dass er sich komplett aus der Region zurückziehen wolle, zumal er „Nation-building“ für zu teuer und eine Politik der Demokratieförderung für falsch hielt und weiter hält. Allerdings will Trump den „Islamischen Staat“ bekämpfen – er will ihn vernichten. Und das bedeutet konkret: Mit dem Ab- und Rückzug wird es nichts, im Gegenteil, die Vereinigten Staaten verstärken ihre Präsenz wieder.

          In dieser Woche wurde bekannt, dass sogar amerikanische Artillerie-Stellungen in Syrien aufgebaut werden. Die Zahl der dafür vorgesehenen Marineinfanteristen ist überschaubar und begrenzt; es handelt sich um einige hundert. Aber die Stationierung zeigt, dass der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus im Irak und in Syrien zwar hauptsächlich von lokalen Kräften geführt werden muss und auch geführt wird; aber mit dem Einsatz von ein paar hundert Ausbildern, Beratern und „Special forces“ ist es offenbar nicht getan.

          Welchem Impuls wird Trump folgen?

          Vor dem Kongress hat der Oberkommandierende für die Golfregion, General Votel, jetzt zu verstehen gegeben, dass er die Entsendung weiterer Truppen nach Afghanistan, Syrien und in den Irak empfehlen werde. Ob das Weiße Haus dieser Empfehlung folgen wird? Welchem Impuls wird Präsident Trump folgen, dem Impuls, den „IS“ zu vernichten, oder dem, sich aus den militärischen Verstrickungen zu befreien?

          Beides geht nicht. Vermutlich wird auch Trump dieses Kapitel nicht schließen können, er wird womöglich weitere hinzufügen. Amerikas längster Krieg ist jetzt im sechzehnten Jahr. Vermutlich wird es nicht das letzte sein.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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