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Die neuen Jobs in der Musikindustrie : Jetzt kommen wir

  • -Aktualisiert am

Got really lucky: George Barnett wurde durch seine Daft-Punk-Coverversion zum Netz-Helden. Bild: Richard Shakespeare

Diese Geschichte handelt von der Götterdämmerung und von einer unglaublichen Daft-Punk-Coverversion. Von Hip-Hop morgens um fünf, einem Soundtrack fürs Rheinland und der Marketing-Lady von David Bowie. Diese Geschichten handeln von den neuen Jobs in der Musikindustrie.

          11 Min.

          George Barnett- Der Youtube-Star
          Was macht ein 19-Jähriger, wenn er ein Wochenende sturmfrei hat? Freunde einladen und eine Party feiern? Der Engländer George Barnett entscheidet sich Ende April lieber dafür, im Haus einen Song aufzunehmen, der anschließend bei Youtube 6,8 Millionen mal angeschaut wird. Es ist ein Cover des Sommerhits „Get Lucky“ von Daft Punk und Pharrell Williams. Barnett macht alles selbst: Er spielt alle Instrumente inklusive Schlagzeug, singt Text und Chor, selbst die Percussions bedient er. Dabei flitzt er durch die Wohnung, von einem Raum zum nächsten. Viele der über 7.000 Youtube-Kommentatoren schreiben, sein Cover sei besser als das Original. „Drums, Bass und Gitarre in meinem Schlafzimmer, Vocals und Keyboard im Wohnzimmer“, erklärt Barnett lapidar. „Meine Mum war ausgegangen. Am Samstagabend war ich fertig. Hat Spaß gemacht.“ Das „Get Lucky“-Cover bringt den Durchbruch. Plötzlich wird er eingeladen, internationale Gigs zu spielen, unter anderem in Kroatien und Chile. Aber was ihm viel wichtiger ist: Auch seine selbst geschriebenen und selbst komponierten Songs hören sich jetzt viel mehr Menschen an. Denn der Künstler George Barnett hat bereits vor dem Cover zwei Alben veröffentlicht. Mit seiner Band tourt er regelmäßig durch kleine englische Clubs. Seine Songs sind eine Mischung aus Folk und Pop, fröhlichen Singer-Songwriter-Stücken wie melancholischen Piano-Nummern. „Wenn wir jetzt auf Konzerten spielen“, sagt er, „sehe ich viele Zuschauer meine Texte mitsingen.“

          Im Prinzip muss er seiner Mutter dafür danken. Aber nicht nur, weil sie ihm an einem April-Wochenende das Haus überließ: „Als ich klein war, arbeitete sie in einem Hort, also musste ich auch dorthin. Und der Musiklehrer dort wollte immer mit mir Klavier spielen.“ Also spielt Barnett Klavier. Da ist er drei Jahre alt. Eine Kinderreporterin fragte ihn einmal nach seinem schönsten Weihnachtsgeschenk. Barnetts Antwort: „Als ich neun Jahre alt war, lag ein Drum-Kit unterm Weihnachtsbaum.“ Offenbar ein gutes Geschenk: 2008 gewinnt er den nationalen Wettbewerb „Young Drummer of the Year“ in Großbritannien. Er spielt außerdem: Gitarre, Bass, Trompete und Mundharmonika. Im Jahr 2012 veröffentlicht er alle 17 Tage ein Lied auf seiner Website. Die besten veröffentlicht er im März 2012 auf einem Album: „17 days“.
          Barnett ist einer dieser Musiker, die, ohne ein großes Label im Rücken zu haben, die Reichweite des Netzes nutzen. Seine Facebook-Seite verzeichnet über 36.000 Fans, auf Twitter folgen ihm mehr als 8.000, seinen Youtube-Kanal haben mehr als 100.000 abonniert. Das sind alles noch keine Justin-Bieber-Dimensionen, aber für einen 19-jährigen Autodidakten sehr ordentlich. Müssten nicht mehr Musiker die Reichweiten des Internets nutzen? „Ach, ich weiß nicht“, sagt Barnett, „viele Musiker machen das doch wesentlich aktiver und verbindlicher als ich. Ich poste viel zu unregelmäßig und beantworte zu selten Kommentare.“ Er schätze es einfach sehr, einen Song produzieren und hochzuladen zu können – und ihn somit der ganzen Welt zu präsentieren. In Interviews versteckt er seine Hände, ringt um Worte. Seine Nervosität überspielt er mit abruptem, irritierendem Lachen. Seine Körpersprache sagt: Ich fühle mich unwohl. Sobald er aber auf einer Bühne steht, ist das alles weg. „Ich ziehe das Schreiben und Aufnehmen von Songs dem Darüber-Reden vor“, erklärt er. Auf seiner Homepage steht deshalb auch seine Musik im Vordergrund. All seine Songs kann man dort kostenlos anhören, auch wenn er sie gleichzeitig über iTunes und Amazon zum Verkauf anbietet. „Musik zu kaufen, könnte unter jungen Leuten als etwas rückständig betrachtet werden“, sagt er. „Ich glaube aber nicht, dass 18-Jährige, die heute Musik runterladen, keine Musik kaufen werden, wenn sie 25 oder 30 sind. Dann werden sie gar keine Zeit mehr haben, nach kostenloser Musik zu suchen – und sie werden dann wohl genug Geld haben, um sich keine Sorgen machen zu müssen, wenn sie sieben Pfund für ein Album bei iTunes ausgeben.“

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