https://www.faz.net/-gum-75x0q

Winter in Deutschland : Da kann man schon mal übers Wetter reden

  • Aktualisiert am

Vom Eise befreit ist dieses Flugzeug in München noch lange nicht Bild: dpa

Und wieder ein Wintereinbruch - und das auch noch mitten im Winter. Für Pendler und Reisende begann die Woche mit großen und kleinen Geduldsproben. Eine Auswahl.

          4 Min.

          Rhein-Main-Flughafen

          Die Temperaturen draußen sind eisig, die Stimmung in den Abflughallen A und B des Frankfurter Flughafens jedoch nicht, obwohl die Schlangen der Reisegäste, die auf eine Umbuchung hoffen und an den Schaltern anstehen, schon quer durch die Hallen gehen. Für ein älteres Ehepaar aus Schweden ist der Zwischenstopp auf dem Weg nach São Paulo unfreiwillig zu einem längeren Aufenthalt geworden. Seit Sonntagmorgen sind sie in Frankfurt, mussten in einem nahegelegenen Hotel übernachten und wissen am Montagvormittag immer noch nicht, wann es für sie weitergeht. „Unangenehm ist, dass man keine Kleidung zum Wechseln hat, denn die Koffer sind schon aufgegeben und wir wissen nicht, wo sie jetzt sind.“ An der Kundenbetreuung wollen sie jedoch keine Kritik üben. „Die sind sehr freundlich, die Organisation ist trotz allem ganz gut.“ Währenddessen verteilen Lufthansa- und Fraport-Mitarbeiter Getränke, Sandwiches und Knabbereien.

          Auch eine Gruppe Kanadier nimmt die Strapazen gelassen. „Ich muss nach Calgary, die anderen nach Toronto. Eigentlich sollten wir von Leipzig aus fliegen, aber da ging wegen des Wetters auch nichts mehr, sodass wir in den Zug nach Frankfurt gesetzt wurden. Jetzt hoffen wir auf einen Ersatzflug.“ Lachend fügt er hinzu: „Es muss nicht unbedingt Calgary sein. Die sollen mich nur über den Atlantik bringen, dann finde ich schon den Weg nach Hause.“ Am Sonntag sind 500 Flüge ausgefallen, am Montag waren es um die Mittagszeit schon 400, berichtet Fraport-Sprecher Christopher Holschier. Die Ausfälle addierten sich, da Anschlussflüge ebenfalls wegfielen. „Viele Fluggesellschaften haben ihre Flugzeuge momentan nicht da, wo sie gebraucht werden. Viele Flüge sind gar nicht erst gestartet oder mussten auf andere Flughäfen umgeleitet werden.“

          Zusätzlich zum Schnee mache besonders der Eisregen Schwierigkeiten. Dieser sei hartnäckiger als Schnee, wenn er auf Flugzeuge treffe, da er sich auch in Fugen und Zwischenräumen festsetze und sogar die Aerodynamik der Flügel verändere. Außerdem könnten die Klappen vereisen, sodass die Piloten Probleme beim Navigieren bekommen könnten. Daher dauere auch die Enteisung der Flugzeuge wesentlich länger als sonst: eine Stunde und mehr statt 15 bis 30 Minuten. Wie lange die missliche Situation wohl anhält, weiß freilich auch der Fraport-Sprecher nicht. Man hoffe, dass sich die Wetterlage an diesem Dienstag verbessere, sagt Holschier. (fedo.)

          Saarbrücken

          9.01 Uhr mit dem ICE nach Paris? Die Fahrgäste, die es trotz ausgefallener Straßenbahnen und verspäteter S-Bahnen geschafft haben, erwartet am Montagmorgen in Frankfurt eine ganz andere Überraschung: „Dieser Zug fährt nur bis Saarbrücken.“ Bis Mannheim und Kaiserslautern ist so viel Verspätung aufgelaufen, dass man lange darüber nachdenken kann, was man in Saarbrücken so machen könnte. Aber im Kopf bleibt es weiß wie Schnee. Dann, in der Pfalz, kommt die freundliche Dame von der Bahn: „Dieser Zug geht doch nach Paris!“ Scheint alles nur ein schlechter Scherz auf Kosten von Saarbrücken gewesen zu sein. (kai.)

          Frankfurt, Darmstadt, Kassel

          Eisregen und Schneefälle brachten in Hessen auch den öffentlichen Nahverkehr ins Stocken. In Frankfurt und Darmstadt kam der Straßenbahnverkehr schon am frühen Sonntagabend zum Erliegen und konnte auch am Montag zunächst nicht wieder aufgenommen werden. Wegen dick vereister Oberleitungen bekamen die Züge keinen Strom mehr und blieben auf den Strecken liegen. Nur die U-Bahn-Linien in der Bankenmetropole blieben auf den unterirdischen Abschnitten in Betrieb. In Darmstadt sorgten außerdem durch Schnee verstopfte Weichen für Schwierigkeiten: Eine Straßenbahn entgleiste, verletzt wurde niemand. „Eigentlich sind die Bahnen selbst in der Lage, die Leitungen von sich bildendem Eis zu befreien“, sagte ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Allerdings habe der Eisregen ausgerechnet am Sonntag eingesetzt, wenn viele Strecken nur im 20-Minuten-Takt statt wie üblich alle fünf Minuten befahren würden. „Das ist zu wenig, um bei diesem extremen Wetter die Oberleitungen eisfrei zu halten“, sagte der Sprecher. Diese müssten nun per Hand vom Eis befreit werden. (shei./bad.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.