Probleme der Demoskopen : Der Wähler bleibt einfach unberechenbar

Vor dem Urnengang wollen alle wissen: Was sagen die Umfragen, wie stehen die Prognosen? Dabei wird das Geschäft der Meinungsforschung immer komplizierter.
Es muss zwischen 16 und 17 Uhr gewesen sein – „jedenfalls deutlich vor Schließung der Wahllokale“ –, da schwankte der Boden unter den Füßen von Rainer Brüderle zum ersten Mal deutlich. Das ZDF hatte ihm an diesem Nachmittag des Wahlsonntags zur Bundestagswahl 2013 mitgeteilt, er werde nicht mehr gebraucht, die Runde der Spitzenkandidaten werde ohne ihn stattfinden. Schließlich verfehle die FDP in den aktuellen Hochrechnungen die Fünfprozenthürde. Dabei war Brüderle noch am Morgen des Wahltages zuversichtlich gewesen: „Ich habe zu Hause meine Stimme abgegeben und bin mit der Gewissheit nach Berlin gefahren, Regierungsbeteiligung könnte knapp werden, aber drin sind wir.“ Diese Gewissheit sei eine Mischung aus „subjektiver Einschätzung“ und den letzten Ergebnissen der Sonntagsfrage gewesen. „Ich wusste im Vorfeld von keiner Umfrage, die die FDP unter fünf Prozent gesehen hatte“, sagt der frühere Politiker heute.





