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Migration : Afrika leidet unter seiner Bildungsmisere

Zulu-Proteste gegen Zuwanderer in Johannesburg Bild: AFP

Über das Mittelmeer flieht nur ein kleiner Teil der Migranten. Die Mehrheit der afrikanischen Migranten sucht ihr Glück auf dem eigenen Kontinent. Vor allem Südafrika und die Elfenbeinküste locken Einwanderer.

          Arbeitsplätze ziehen Migranten an. Das ist in Afrika nicht anders als sonst wo auf der Welt. Gemessen an den geschätzten Zahlen der Gesamtmigration in Afrika, stellen die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer bestenfalls 2 bis 3 Prozent. Die Mehrheit sucht ihr Glück auf dem Kontinent, in Südafrika, Angola, Moçambique, Gabun, Equatorial-Guinea und in der Elfenbeinküste. Einige dieser Länder (Angola, Gabun und Equatorial-Guinea) verdanken ihr rasantes Wachstum großen Ölvorkommen. Andere wie Südafrika und die Elfenbeinküste verfügen über eine breite industrielle Basis, die Einwanderer anlockt.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die Einwanderer in der Elfenbeinküste kommen vor allem aus den umliegenden frankophonen Ländern wie Senegal, Togo, Burkina Faso, Benin und Niger. Dort wachsen die Volkswirtschaften zwar auch um Werte von durchschnittlich 5 Prozent im Jahr, aber das reicht nicht, um die Armut wirksam zu bekämpfen. Benin ist ein gutes Beispiel dafür. Das Land ist politisch stabil und weist ein Wachstum von 5,5 Prozent im Jahr auf. Und dennoch kehren jedes Jahr mehr als 300.000 Beniner dem Land den Rücken. Da das Bevölkerungswachstum in Benin bei rund 3 Prozent liegt, müsste das Wirtschaftswachstum deutlich über 6 Prozent betragen, um alle Schichten der Bevölkerung am neuen Wohlstand teilhaben zu lassen.

          Die Elfenbeinküste hat höchsten Ausländeranteil der Welt

          Die Elfenbeinküste ihrerseits hat im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von beachtlichen 8,5 Prozent hingelegt, während das Bevölkerungswachstum bei 1,8 Prozent verharrte. Ideale Voraussetzungen eigentlich – wenn da nicht die vielen Migranten wären, die auf den ivorischen Arbeitsmarkt drücken. Genaue Zahlen über den Zustrom existieren nicht. Schätzungen gehen allerdings davon aus, dass der Anteil der Nicht-Ivorer bis zu 40 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Damit ist Côte d’Ivoire das Land mit dem höchsten Ausländeranteil auf der Welt.

          Das sorgt zum einen dafür, dass insbesondere die Wirtschaftsmetropole Abidjan eine kosmopolitische Stadt ist. Andererseits aber verschärft die schiere Zahl der Wirtschaftsmigranten den Kampf um Arbeitsplätze. Das ist der Grund, warum unter den Bootsflüchtlingen immer wieder auch Staatsangehörige aus der vermeintlich wohlhabenden Côte d’Ivoire zu finden sind. Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste (2000 bis 2007) hatte sich unter anderem an dem Eindruck der Ivorer entzündet, im eigenen Land nur noch geduldet zu sein.

          Ausschreitungen in Südafrika

          In Südafrika, dem zweiten großen Einwanderungsland auf dem Kontinent, toben gerade ausländerfeindliche Ausschreitungen der Zulu-Bevölkerungsmehrheit, zu deren Eindämmung die Armee eingesetzt werden muss. Zahlreiche Südafrikaner sind der Ansicht, dass die Ausländer ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Inwieweit das stimmt, ist heftig umstritten, weil der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung nicht einmal 10 Prozent betragen soll.

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