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Ägypten Blutiges Jubiläum

Der Jahrestag der Revolution zeigt, welch schwieriger Weg noch vor der Arabellion liegt. In Berlin sollte man Mursi beim Wort nehmen, wenn er von einem „zivilen Staat“ als Demokratie spricht.

Etwas mehr als zwei Wochen hatte es gedauert, bis der langjährige Präsident Mubarak - ein Autokrat wie die meisten arabischen Regierenden - vor zwei Jahren die Macht abgeben musste. Seither befindet sich Ägypten in einem Zustand des Aufruhrs. Das ist nicht verwunderlich angesichts der Gegensätze und Energien, die da aufeinanderprallen: Stadt und Land, Alt und Jung, Religiöse gegen Säkulare. Zuerst schien es so, als ob das Militär, ursprünglich die wichtigste Stütze des Mubarak-Regimes, die Macht werde bewahren können, weil die Generäle sich rechtzeitig auf die Seite der Revolutionäre schlugen und Reformen versprachen. Dann kam bei den Wahlen die Stunde der am besten organisierten Oppositionskraft, der Muslimbrüder. Doch die versäumten es, einen Kompromiss mit den säkularen Kräften zu suchen. Vor allem aber gelang es ihnen bisher nicht, die Wirtschaft in Schwung zu bringen und die Forderungen nach sozialen Reformen zu erfüllen. Der Jahrestag der Revolution vom Tahrir-Platz zeigt, welch schwieriger Weg noch vor der Arabellion liegt: es war ein blutbeflecktes Jubiläum.

Mursi beim Wort nehmen

Präsident Mursi, der als Angehöriger der Muslimbruderschaft in Mubaraks Gefängnissen saß, kommt diese Woche als angefochtener Machthaber eines Landes nach Berlin, dessen Zukunft weiter im Ungewissen bleibt. International hat er Ägypten auf dem Kurs gehalten, der Mubarak jahrzehntelang die Unterstützung des Westens gesichert hatte: Der kalte Frieden mit Israel hält, obwohl Mursi aus seiner Abneigung gegen den jüdischen Staat kein Geheimnis macht. Er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er das theokratische Ayatollah-Regime in Iran ablehnt. Im Gespräch mit der F.A.Z. hat er Ägyptens Zukunft mit dem Wort „ziviler Staat“ als Demokratie beschrieben, in der alle, unabhängig von ihrer Religion, die gleichen Rechte und Pflichten haben. Man sollte ihn in Berlin beim Wort nehmen

Die blutigen Unruhen in ägyptischen Städten sind vermutlich weniger das Werk der politischen Opposition als Exzesse von Krawallmachern und sozial Depravierten. Die relative Stärke der Muslimbrüder ist das Gegenstück zur Schwäche einer heterogenen, zersplitterten Opposition, auch wenn diese teilweise weltbekannte Wortführer hat. Wer auch immer in Kairo regiert: ohne wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Ausgleich wird die Arabellion weitergehen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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