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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was es mit den Eisheiligen auf sich hat

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Hobbygärtnern wird oft geraten, für das Setzen von Pflanzen die „Eisheiligen“ abzuwarten. Bild: Picture-Alliance

„Servaz muss vorüber sein, willst’ vor Nachtfrost sicher sein“ oder „Pflanze nie vor der kalten Sophie“: Glaubt man diesen Sprichwörtern, ist der Mai eine riskante Zeit für Hobbygärtner. Warum eigentlich?

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          Was das Wetter angeht, so hat sich der Mai gleich zu Beginn von seiner besten Seite gezeigt: Ein sonniger Tag folgte auf den anderen, dazu kamen sommerliche Temperaturen von um die 25 Grad. Zum Muttertag soll es laut Wettervorhersagen aber wieder abkühlen – und glaubt man einer alten Bauernregel, so ist das alles andere als ein Zufall. Schuld an dem unerwarteten Temperatursturz Mitte Mai sollen nämlich die sogenannten „Eisheiligen“ sein. Aber wer sind die überhaupt, und was haben sie mit dem Wetter zu tun?

          Um diese Frage zu klären, muss man ein Stück in der Geschichte zurückgehen. Wir kennen die „Eisheiligen“ aus alten Bauernregeln, die es seit vielen Hunderten von Jahren gibt. Sie stammen – wie der Großteil der anderen Bauernregeln auch – aus einer Zeit, in der die meisten Menschen noch von der Landwirtschaft gelebt haben und der christliche Glaube eine viel größere Rolle im Leben der Menschen gespielt hat als heute. Man versteht darunter die Tage vom 11.  bis zum 15. Mai, an denen in der katholischen Kirche traditionell der Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie gedacht wird. Mamertus und Servatius waren Bischöfe im vierten und fünften Jahrhundert, die drei anderen waren Märtyrer, also Menschen, die ihres Glaubens wegen sterben mussten. Mit Eis oder Kälte hatte von den fünf aber niemand wirklich viel zu tun – anders als die Zeit, in die ihre Gedenktage fallen.

          Bis ins 16. Jahrhundert galt in Europa der julianische Kalender, der vom römischen Herrscher Julius Cäsar eingeführt worden war. Gemäß diesem Kalender waren die Tage vom 11. bis zum 15. Mai die letzten, an denen es in der Nacht noch einmal richtig frostig werden konnte. Für Bauern war dieses Datum also eine wichtige Orientierungshilfe, um zu wissen, wann sie die empfindlichen Pflanzen in die Erde setzen konnten. Vor diesen Tagen hat das damals kaum jemand gemacht, denn junge Pflanzen vertragen keine plötzliche Kälte.

          Frostschäden bedeuten Ernteausfälle, und die führten früher, als die Landwirtschaft für viele Menschen die wichtigste Lebensgrundlage war, im schlimmsten Fall zu Hunger für die ganze Familie. Verständlich also, dass die Landwirte auf Nummer sicher gehen wollten und die „Eisheiligen“ lieber abgewartet haben, bevor sie mit der Arbeit am Feld begannen. Und weil man sich die Namen der Heiligen leichter merken konnte als die genauen Daten, wurden die „Eisheiligen“ zur Eselsbrücke für diese riskanten Tage. „Servaz muss vorüber sein, willst' vor Nachtfrost sicher sein“, heißen die entsprechenden Bauernregeln dann zum Beispiel, oder „Pflanze nie vor der kalten Sophie“.

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          Woher aber kommt der unübliche Kältesturz mitten im Mai? Es handelt sich dabei um ein Wetterphänomen, das nicht jedes Jahr, aber doch relativ regelmäßig auftritt. Anfang Mai sind die Temperaturen in Mitteleuropa meistens schon recht hoch. Die warmen Luftströme werden aber immer wieder von Wetterlagen unterbrochen, bei denen kalte Luft aus dem Polarkreis nach Mitteleuropa strömt. Sind die Nächte dann auch noch klar, kommt die kalte Luft aus dem Norden bis zum Boden durch und führt zu Frost, der wiederum dafür sorgt, dass junge und kälteempfindliche Pflanzen absterben. Heute betrifft das natürlich nicht nur mehr die Landwirte, sondern auch – und vor allem – Hobbygärtner. In der Gärtnerei gibt es zu einer neuen Pflanze daher oft den Rat, mit dem Setzen die „Eisheiligen“ abzuwarten, damit die neue Balkonpflanze nicht gleich wieder erfriert.

          Tatsächlich stimmen die Termine für die „Eisheiligen“ aber gar nicht. Die kalten Luftströme treten nämlich gar nicht mehr zwischen dem 11. und 15. Mai, sondern erst rund zwei Wochen später auf. Der Unterschied hat damit zu tun, dass der julianische Kalender, nach dem die Kältewelle Mitte Mai stattfand, heute gar nicht mehr gilt. Er wurde im 16. Jahrhundert vom gregorianischen Kalender abgelöst, welcher bis heute die Grundlage für unsere Zeitrechnung ist. Bei der Einführung des gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 folgte auf den 4. Oktober direkt der 15. Oktober – es wurden also elf Tage übersprungen. Deswegen erfolgt das Naturphänomen, das für die Kälte im Mai sorgt, heute nicht mehr rund um den 11., sondern erst rund um den 20. Mai.

          Wenn man also ganz korrekt sein möchte, müsste man die „Eisheiligen“ um diese elf Tage nach hinten verschieben. Aber wie das mit Traditionen halt so ist, haben sich schon viel zu viele Menschen daran gewöhnt, um eine Änderung durchzusetzen. Und abgesehen davon wäre es wohl relativ schwierig, neue Heilige zu finden, die sich genauso schön auf die bestehenden Sprichwörter reimen.

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