Glosse Wirtschaft : Tabubruch bei BP
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte für den Energiekonzern BP dramatische strategische Konsequenzen haben. Erstmals schloss Vorstandschef Bob Dudley am Dienstag eine Abspaltung des Raffinerie- und Tankstellengeschäfts nicht mehr aus.
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte für den Energiekonzern BP dramatische strategische Konsequenzen haben. Erstmals schloss Vorstandschef Bob Dudley am Dienstag eine Abspaltung des Raffinerie- und Tankstellengeschäfts nicht mehr aus. Dass er dieses Tabu bricht, zeigt, wie sehr der Amerikaner nach dem Golf-Desaster und der geplatzten Russland-Allianz mit Rosneft inzwischen unter Druck steht. Die wenig befriedigende Entwicklung des Aktienkurses ist Beleg dafür, dass Dudley bisher eine überzeugende Strategie fehlt. Eine Aufspaltung wäre ein radikaler Neuanfang für BP, und das Management sollte diese Option ernsthaft prüfen. Die Verbundvorteile zwischen Fördergeschäft ("Upstream") einerseits sowie Verarbeitung und Vertrieb ("Downstream")andererseits sind zweifelhaft. Im Idealfall kann zwar die Integration unter einem Konzerndach die Ergebnisse verstetigen: Das margenschwächere Downstream-Geschäft ist tendenziell stabiler als die volatile und riskantere Förderung von Öl. Honoriert wird dieser eingebaute Stabilisator von der Börse jedoch nicht. Ölgesellschaften, die sich nur auf das Fördergeschäft konzentrieren, werden in der Regel höher bewertet als integrierte Ölriesen.





