Die Hölle ist immer nur einen Schritt entfernt
Roberto Bolaño war ein leidenschaftlicher Spieler und Kenner von Strategie- und Kriegsspielen. Was passiert, wenn das Spiel nach der Kapitulation einer Partei im Leben weitergeht?
Blau, weiß, rot und beige ist das Spielfeld, das eine Landkarte Europas mit hexagonaler Gitterstruktur zeigt, die an Bienenwaben erinnert. Kleine Symbole für Granaten, Bodenbomben und Fliegertruppen werden darauf verteilt. Es ist das Spielfeld von "Rise and Decline of the Third Reich", einem Kriegsspiel von 1974, wie Roberto Bolaño es besessen hat. Denn Bolaño, der chilenische Schriftsteller, Autor des großen Romans "2666", der als 13-Jähriger mit seinen Eltern nach Mexiko-Stadt zog und später, bis zu seinem zu frühen Tod, in Blanes, einem Küstenort in der Nähe von Barcelona lebte, war ein leidenschaftlicher Spieler und Kenner solcher Wargames: "Austerlitz", "France 1944" oder "Nato" heißen die Brettspiele, die sich, zwischen selbstgemalten Karten und verkritzelten spanischen Spielanleitungen, in seinem Nachlass stapeln. In karierten Heften notierte er seine Züge und archivierte auf losen Blättern die seiner Gegner. Und zwischen all den Zahlenkolonnen - das dokumentiert in ihrer September-Ausgabe gerade die Schweizer Zeitschrift "Du", die Bolaño gewidmet ist - schlug die Spielwut dann immer wieder in Prosa um, und es finden sich Sätze für eine Autobiographie und für einen geplanten Roman, der postum jetzt endlich erscheint: "Das Dritte Reich".





