Alison Pargeter: Libya : Zuunterst ein Oberst

In den achtziger Jahren ging Muammar al Gadaffi in Libyen an die Gestaltung seines „Volksmassenstaates“. So hoffte er, Vorbild für die arabische Welt und über sie hinaus zu werden.
Die Rückseite des Schutzumschlages zeigt den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair, breit grinsend, beim Händeschütteln mit Muammar al Gaddafi. Das Foto entstand zu einer Zeit, da sich der „Verrückte des Nahen Ostens“ (Ronald Reagan) nach außen hin gemäßigt hatte. 1999 hatte Gaddafi nämlich beschlossen, sich der internationalen Gemeinschaft wieder anzunähern. Am sichtbarsten wurde das, als er offiziell den Verzicht seines Landes auf Massenvernichtungswaffen verkündete. Dass der Westen, der Gaddafi jahrzehntelang mit guten Gründen isoliert hatte, dies politisch honorierte, konnte man verstehen; weniger allerdings, dass einige Politiker nun gleich wieder zu viel des Guten taten. Sie hätschelten den libyschen Diktator geradezu. Es hat ihm nichts genutzt: Sein Volk rebellierte gegen ihn, der Westen ließ ihn fallen wie seine arabischen Brüder, die ihn lange bestenfalls als Halbbruder geschätzt hatten. Am 20. Oktober 2011 töteten Rebellen den Führer der „Volksdschamahirija“ auf brutale, grausame Weise, nachdem sie seiner bei der Stadt Sirte habhaft geworden waren.





