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Magensäureblocker : Im Zweifelsfall: Sofort absetzen

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Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt zudem vor bedenklich niedrigen Magnesiumspiegeln unter einer PPI-Therapie. Ähnliches gilt für Vitamin B12. Den jüngsten Schrecken jagte den Medizinern eine Untersuchung der Daten von rund 74.000 AOK-Versicherten ein. Demnach heben PPIs auch das Demenzrisiko um bis zu sechzig Prozent. Für fast alle diese Probleme gilt: Sie treten erst auf, wenn die Mittel regelmäßig und längerfristig eingenommen werden. Das allerdings ist leider eher die Regel als die Ausnahme. Denn einmal ausprobiert, wollen die meisten von ihren Magenpillen gar nicht mehr lassen.

Medikamente, die sich ihre Indikation selbst schaffen

Vor sieben Jahren verabreichte die Gastroenterologin Christina Reimer in Kopenhagen gesunden Studenten und Klinikangestellten zwei Monate lang PPIs. Als die Mittel abgesetzt wurden, klagte ein Großteil der jungen Leute in den nächsten vier Wochen über Sodbrennen und Magenbeschwerden. „Die Protonenpumpeninhibitoren gehören zu den wenigen Medikamenten, die sich ihre Indikation selbst schaffen“, sagt Daniel Grandt. Der Körper reagiert auf den Säuremangel und versucht, die Produktion hochzuregulieren. Nach dem Absetzen wird der Magensaft deshalb zu sauer. So greifen die Betroffenen schnell wieder zu den gewohnten Pillen.

Vor rund zwanzig Jahren gingen viele Klinikärzte dazu über, einen Großteil ihrer Patienten schon prophylaktisch mit Magensäureblockern zu versorgen. Man hatte beobachtet, dass etliche von ihnen, gestresst durch die Behandlung anderer Symptome, in der Folgezeit Magengeschwüre entwickelten. In modernen Krankenhäusern existiere diese Bedrohung aber nur noch in Ausnahmefällen, sagt Shoshana Herzig, die an der amerikanischen Harvard University über diese Problematik forscht. Trotzdem würden die Medikamente häufig aus Gewohnheit weiter verschrieben. Und diese Anordnung wird vom Hausarzt häufig übernommen. „Auch wenn die PPIs zunächst aus gutem Grund verordnet wurden“, sagt Grandt, „wird später häufig nicht überprüft, ob die Verschreibung immer noch sinnvoll ist.“ Einschlägigen Studien zufolge nimmt jeder zweite bis dritte Patient einen Säureblocker ein, ohne dass dies noch medizinisch begründbar wäre.

Gefährliche Kombination

Vor kurzem hat Grandt eine Patientin behandelt, deren Leber als Folge der PPI-Gabe bereits die Arbeit eingestellt hatte. Das ist eine lebensgefährliche, aber zum Glück auch sehr seltene Nebenwirkung. Ursprünglich hatte man ihr das Mittel zusätzlich zu den Schmerztabletten gegeben, die sie ebenfalls schluckte. Diese Kombination ist sehr beliebt. Denn Aspirin, Diclofenac und andere Nichtopiate greifen die Magenwand an und verursachen dadurch manchmal Geschwüre und Blutungen. Empfohlen ist die Kombination allerdings nur für Risikopatienten wie Rentner oder Menschen, die im Laufe ihres Lebens schon einmal unter einem Magengeschwür gelitten haben. Irgendwann, erzählt Grandt, sei das Schmerzmittel zwar weg gewesen, das PPI stand aber weiter auf dem Medikamentenzettel. Bis zu dem Tag, an dem die Leber endgültig versagte.

Seit 2009 ist noch nicht einmal ein Arzt nötig, um in die Abhängigkeitsspirale zu geraten. Seitdem werden die Säureblocker auch ohne Rezept in Apotheken frei verkauft. Rund 4,5 Millionen, etwa ein Zehntel aller in den Apotheken verkauften Packungen, werden nach Angaben des Gesundheitsdienstleisters IMS Health auf diesem Weg abgegeben.

Natürlich existierten manchmal auch gute Gründe, einen Magensäureblocker längerfristig einzunehmen, sagt der Leipziger Gastroenterologe Mössner. Das kann zum Beispiel eine chronische Refluxerkrankung mit Schleimhautschäden sein. Aber selbst ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sei in der Regel irgendwann geheilt. Und dann und in allen anderen Fällen lautet die wichtigste Grundregel bei der Säureblocker-Therapie: Wenn man das Medikament nicht mehr unbedingt braucht – absetzen.

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