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Sage Sie mal, Frau Doktor : Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Antibiotika nehme?

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Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: das schwierige Verhältnis von Alkohol und Antibiotika.

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          Stimmt es, dass man auf Alkohol verzichten sollte, wenn man Antibiotika nimmt?

          Es gibt solche Samstagabende, an denen es eigentlich gut wäre, sich weiter auszuruhen, Tee zu trinken und früh ins Bett zu gehen, damit die verdammte eitrige Mandelentzündung oder die brennenden Schmerzen beim Wasserlassen von der vermaledeiten Blasenentzündung endlich ein Ende haben. Doch dank des verschriebenen Antibiotikums ist alles schon viel besser, und der Tatendrang wächst wieder. Zwar müssen die Pillen noch drei Tage geschluckt werden, aber die Freunde haben zur Geburtstagsfeier für heute Abend eingeladen, und so schlecht geht es einem eben doch nicht mehr, im Gegenteil: Die Lebensgeister schreien nach Geselligkeit und sperren sich gegen „Wetten, dass...?“ am Abend. Raus aus dem Pyjama, rein in die Ausgehklamotten und ab zur Party.

          „Toll, dass du da bist, mit dir hatten wir gar nicht gerechnet. Wir dachten, du wärest noch krank.“ Ein kurzes Kopfschütteln, und ehe man sich versieht, hat man ein Sektglas oder Bier in der Hand. Aber darf ich das wirklich trinken? Ist das während der Einnahme eines Antibiotikums nicht verboten?

          Verboten ist gar nichts

          Verboten ist schon mal gar nichts. Empfohlen wird es nicht. Aber: Ein dogmatisches Nein ist definitiv nicht korrekt. Ja, Alkohol und einige Antibiotika vertragen sich nur bedingt. Die Betonung liegt auf „einige“.

          Sulfonamide gehören dazu. Sie werden heute meistens in Kombination mit anderen Wirkstoffen gegeben (Sie erkennen sie dann zum Beispiel an dem Namen „Cotrimoxazol“ auf der Packung) - etwa bei Harnwegsinfekten oder bei Nasennebenhöhlenvereiterung, auch bei schwerer Lungenentzündung mit einem eher seltenen Erreger.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik
          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Auch bei der Einnahme des Wirkstoffs Metronidazol sollte man „Nein“ zum Sektglas sagen. Metronidazol wird vor allem in Kombination mit der Antibiotikagruppe der Cephalosporine als Therapie gegeben; sie werden beispielsweise bei Entzündungen im S-förmigen Teil des Darms oder bei Operationen am Bauch verwendet. Für manche Cephalosporine, die man bei Halsweh, Ohrenschmerzen und starkem Husten nehmen muss, gilt ebenfalls: Der Patient darf am Kühlschrank nicht zum Bier greifen, sondern muss mit Apfelschorle vorliebnehmen. Die gute Nachricht: Das am häufigsten verschriebene Antibiotikum aus der Gruppe der Cephalosporine, mit dem Wirkstoff Cefuroxim, verträgt sich mit Alkohol.

          Woher kommt eigentlich das Problem mit einigen Antibiotika, fragen Sie? Nun, werden Sulfonamide, Metronidazol oder manche Cephalosporine eingenommen, so wird im Körper das Enzym Acetaldehyddehydrogenase gehemmt und die Umwandlung von Ethanol, dem handelsüblichen Alkohol in Bier, Wein und Co., zu seinen Abbauprodukten verringert. Bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol und diesen Tabletten kann es aufgrund der Hemmung des Enzyms zum „Acetaldehydsyndrom“ kommen.

          Übelkeit, Schwindel, Herzklopfen

          Wer eine solche von Medikamenten verursachte Alkoholunverträglichkeit entwickelt, leidet unter Übelkeit, Erbrechen, Hautrötung im Kopf- und Nackenbereich, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, bläulichen Verfärbungen von Haut und Schleimhäuten oder Kreislaufabfall; das kann bis zum Kollaps gehen. So einen Rausch wünscht sich wohl keiner, deshalb raten Mediziner bei den genannten problematischen Antibiotika von Sekt, Bier und Schnaps bis zu einer Woche nach Ende der Therapie ab.

          Entwarnung also für die meisten, die ein Antibiotikum einnehmen müssen. Aber man sollte immer beachten: Ein geschwächter und kranker Organismus reagiert grundsätzlich empfindlicher auf Alkohol. Sie werden also in jedem Fall schneller die Effekte des Alkohols bemerken und schneller müde werden - Letzteres übrigens ein Effekt, den sich auch Erkältungsmittel zunutze machen, die Alkohol beinhalten, wie etwa Säfte zur Nacht.

          Frage beantwortet? Dann kann ich Ihnen ja noch eine ganz andere, völlig unterschätze Nebenwirkung bei der Einnahme von Antibiotika nennen: ungewollte Schwangerschaften. Wenn man Antibiotika einnimmt, kann die Wirkung der Pille herabgesetzt sein. Deshalb empfiehlt sich in diesen Fällen eine gleichzeitige Verhütung mit Kondomen.

          Haben Sie ebenfalls eine Frage?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Dann fragen Sie unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin an einer hessischen Klinik, und schicken Sie uns die Frage an: sagensiemal@faz.de.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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