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Wahl in Amerika : Ein Latino-Sender gegen Donald Trump

Keine Freunde: Donald Trump und Univision-Reporter Jorge Ramos Bild: Reuters

Wenn Donald Trump noch eine Chance haben will, muss er Florida gewinnen. Doch genau hier sitzt ein Fernsehsender, der alles dafür tut, dass Latinos die Demokraten wählen.

          Seit diesem Wochenende ist Donald Trump in Florida. Kundgebungen in Naples, Tallahassee, St. Augustine, Sanford und Tampa stehen auf seinem Kalender. Der 70 Jahre alte Kandidat der Republikanischen Partei beweist seine unverwüstliche Konstitution. Eine große Energieleistung ist nötig. Florida ist der Bundesstaat, den Donald Trump gewinnen muss, wenn er überhaupt noch eine Chance haben will, Präsident zu werden. Die letzten Umfragen sehen seine demokratische Gegenspielerin Hillary Clinton hier leicht im Vorteil.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Trumps aktuelle Botschaft an sein entzücktes Publikum lautet, dass die Wahlen getürkt seien, Clinton aufgrund vermeintlicher Verfehlungen nie hätte zur Wahl zugelassen werden dürfen, und dass die Medien gnadenlos parteiisch und unehrlich seien. Gewöhnlich zieht der Immobilienunternehmer über die Fernsehsender CNN oder NBC her. Mit einem Sender aber steht Trump auf Kriegsfuß: Es ist der spanischsprachige Sender Univision Communication. An guten Tagen hat der Latino-Sender mehr Zuschauer als die großen Namen. Er sitzt in Miami, spielt eine wichtige Rolle in Floridas Politik – und vielleicht wäre es besser gewesen, sich nicht mit ihm anzulegen.

          Ein Gegner, der ihn die Wahl kosten könnte

          Trump hätte das kommen sehen können. Als er seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur mit Angriffen auf mexikanische Einwanderer würzte, strich Univision die Übertragung gemeinsamer Schönheitswettbewerbe aus dem Programm. Man verklagte und verglich sich, die Einzelheiten wurden nicht öffentlich. Doch Trump hat seitdem einen Gegner, der ihn die Wahl kosten könnte.

          Einer, der verhindern will, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird, ist Jorge Ramos, Univisions bekanntester Politikmoderator. Er ist eine Art Claus Kleber für die spanisch sprechenden Fernsehzuschauer Amerikas, vielleicht eine Idee aggressiver. Im Sommer hatte er Trump auf einer Pressekonferenz konfrontiert und seinen Rauswurf vor laufender Kamera provoziert.

          Am vorletzten Wochenende moderierte Ramos ein von Univision und befreundeten Sendern übertragenes Konzert unweit von San Diego nahe der amerikanisch-mexikanischen Grenze mit Rockstars der hispanischen Musikwelt. Amerika ist am größten, wenn es zueinander findet, war die Botschaft dieses Festivals der Diversität: Es war eine Anti-Trump-Veranstaltung, ohne dass der Name häufig genannt werden musste. Gerade macht Ramos Werbung für eine Dokumentation über den wachsenden Hass in den Vereinigten Staaten. „Neutralität ist keine Option“, schreibt der Journalist in einer „Time“-Kolumne. „Manchmal muss man einen Standpunkt einnehmen.“ Konservative Medienbeobachter weisen darauf hin, dass Ramos’ Tochter Pressearbeit in Clintons Wahlkampfteam macht und fordern die Ablösung des Moderators.

          Doch Ramos kann auf Rückendeckung von höchster Position vertrauen. Sein oberster Chef ist Haim Saban, in Deutschland als zeitweiliger Miteigentümer von Pro Sieben Sat 1 bekannt. Saban ist nicht nur der Verwaltungsratsvorsitzende und Mehrheitsgesellschafter des Kommunikationskonzerns Univision. Der Milliardär ist zudem einer der wichtigsten Spender der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Er und seine Frau haben allein elf Millionen Dollar an Organisationen gegeben, die Clinton und ihre Freunde stützen. Vermutlich hat kein anderer Gönner mehr für sie getan als Saban, analysiert das investigative Magazin „Mother Jones“. Die Clinton-Stiftung bekam mindestens 15 Millionen Dollar.

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