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Nicht mehr als 10 Millionen Euro : VW will Vorstandsgehälter deckeln

Werden sich auch in Zukunft noch eine warme warme Mahlzeit leisten können: die Volkswagen-Vorstände Karlheinz Blessing, Herbert Diess, Matthias Müller, Bernd Osterloh und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (von links) Bild: dpa

Volkswagen möchte die Zeiten von Winterkorn und Diesel-Skandal vergessen machen. In zwei Wochen will der Konzern ein Konzept vorstellen, um die Managergehälter zu regulieren.

          In den vergangenen Monaten hat der Aufsichtsrat von Volkswagen mehrfach angekündigt, dass der Konzern die Vorstandsvergütung neu regeln - und dabei auch deckeln will. In gut zwei Wochen soll das Thema im VW-Aufsichtsrat beraten werden und, wenn möglich, auch bereits eine Entscheidung dazu fallen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Montag aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, liegt dem Gremium ein Vorschlag vor, das Gehalt für den Vorstandsvorsitzenden künftig bei rund 10 Millionen Euro zu deckeln. Die geplante Höchstgrenze für andere Vorstandsmitglieder liegt entsprechend niedriger.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die neuen Vorstandsmitglieder um Volkswagen-Chef Matthias Müller wird dies bedeuten, dass sie künftig weniger verdienen werden. Darauf drängen im Aufsichtsrat vor allem der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) für das Land Niedersachsen als Großaktionär und die Vertreter der Arbeitnehmer, die sich regelmäßig für die Rekordgehälter bei Volkswagen rechtfertigen müssen.

          VW-Aufsichtsrat und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte erst am Wochenende in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gefordert, „wir brauchen eine Kappung der Vorstandsvergütung“. Der Druck Niedersachsens und der Gewerkschaften auf den Aufsichtsrat steigt zudem, weil die hohen Abfindungszahlungen von bis zu 15 Millionen Euro an die vor einer Woche nach nur 13 Monaten aus dem Amt geschiedenen Vorstandsfrau für Recht und Integrität, Christina Hohmann-Dennhardt, öffentlich scharf kritisiert worden ist.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung sehen die Pläne vor, insbesondere die Bonuszahlungen an Vorstände zu deckeln. Das fixe Grundgehalt solle dagegen künftig höher liegen, ist in Wolfsburg zu hören. Der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hatte im Jahr 2014 ein Gesamtgehalt von fast 15,9 Millionen Euro, die Festvergütung machte davon nur 1,6 Millionen Euro aus. Die meisten anderen Mitglieder des Vorstands kamen im Jahr 2014 auf Vergütungen von insgesamt um die 6 bis 7,5 Millionen Euro. Das geltende Vergütungssystem wurde im Jahr 2010 von der Hauptversammlung gebilligt und wegen der damals guten Entwicklung des Konzerns im Jahr 2013 angepasst. „Die Höhe der Vorstandsvergütung soll im nationalen und internationalen Vergleich angemessen und attraktiv sein“, heißt es im letzten Geschäftsbericht.

          Der Aufsichtsrat kann die Änderungen bei der Vorstandsvergütung, über die am 24. Februar beraten werden soll, allerdings nicht rückwirkend beschließen. Das heißt: der amtierende Vorstand müsste einer Änderung der Verträge und der Deckelung der Einkommen zustimmen. Ansonsten gälte die Regelung nur für Mitglieder, die neu in den Vorstand kommen.

          Ermittlungen gegen den früheren Chef

          Auch der Druck, bei der Aufklärung des Abgasskandals deutlicher Profil zu zeigen, steigt, nachdem der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch im Gespräch mit den Staatsanwälten in Braunschweig nicht nur den früheren Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn, sondern auch sich selbst belastet hat. Er selbst will schon Ende Februar 2015 von den Software-Manipulationen in Dieselfahrzeugen in Amerika erfahren haben und Winterkorn daraufhin angesprochen haben.

          Die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium nutzten die Vorlage prompt - träfe die Aussage zu, dann stelle sich die Frage, ob Piëch seine Pflichten als Aufsichtsratsvorsitzender erfüllt habe, heißt es dort. Aufsichtsrat und IG-Metall-Chef Hofmann drohte gar mit Haftungsansprüchen. Nach der Ankündigung des Aufsichtsratsmitglieds ist nun auch der Vorstand unter Zugzwang. Wie mehrere Anwälte bestätigen, hat der amtierende Vorstand um Chef Matthias Müller den Vorwürfen gegen Piëch nachzugehen und müsste, falls sie sich bestätigen, Schadensersatzansprüche geltend machen: Diejenigen, die das operative Geschäft lenken, verklagten dann also den eigenen Großaktionär. Man wolle die aktuelle Entwicklung nicht kommentieren, so ein VW-Unternehmenssprecher auf Anfrage.

          Für den Vorstand sei es eine „äußerst unangenehme Situation“, sagt ein Anwalt, der in dem Komplex berät. Dabei gehen unter Juristen die Meinungen auseinander, ob dem VW-Patron Piëch eine Pflichtverletzung nachgewiesen werden kann. Einerseits war er als Aufsichtsratschef gerade nicht für die operative Führung von VW verantwortlich. Aber kann man das über Piëch behaupten - die graue Eminenz, ohne dessen Zustimmung im Konzern keine Entscheidung getroffen sein soll?

          Andererseits legt die Ermittlungsakte in Braunschweig jedenfalls nahe, dass es Piëch im Frühjahr 2015 versäumte, andere Aufsichtsräte zu informieren. Das schränkt den Spielraum des Vorstands ein und erhöht den Druck der strategischen Investoren, die eine schnelle Aufklärung fordern.

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