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Telefónica-Deutschland-Chef : „Wir geben den Nutzern die Kontrolle zurück“

  • -Aktualisiert am

Thorsten Dirks führt Telefónica Deutschland und E-Plus zusammen. Bild: dpa

Sie besitzt mehr Daten als mancher Internetanbieter: Und Telefónica Deutschland will mehr daraus machen. Der Chef erklärt, warum und wie.

          Der Mobilfunkanbieter hinter den Marken O2, E-Plus und Base will sich in den kommenden fünf Jahren zwei völlig neue Geschäftsfelder rund um die Nutzung von Daten erschließen – und mittelfristig ist sogar die Mitgliedschaft im Dax nicht ausgeschlossen. Aber das liegt in der Hand der heutigen Aktionäre. Sicher ist: Das Geschäft mit Partnern wie Aldi oder United Internet, mit Geschäftskunden wie Celesio und den vielen Millionen privaten Mobilfunkkunden will Telefónica Deutschland, der deutsche Marktführer im Mobilfunk, weiter vorantreiben.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Hier sollen die bestehenden Einheiten vor allem schneller und flexibler werden. Hinzu kommen im nächsten Jahr die beiden neuen Geschäftsfelder „Advanced Data Analystics“ (Datenanalyse) und „Internet of Things“ (Internet der Dinge). Damit will das Unternehmen seine Wertschöpfungstiefe erhöhen.

          „Wir verfügen über mehr Daten als mancher Internetanbieter“, sagt der Vorstandsvorsitzende Thorsten Dirks im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Daraus müsse Telefónica Deutschland auf den Gebieten der Datenanalyse und des Internets der Dinge viel mehr machen, als dies bisher geschehe. Wie das gehen soll, hat Dirks seinen Mitarbeitern in den vergangenen Tagen auf sieben Mitarbeiterversammlungen in ganz Deutschland erklärt. Die damit verbundene neue Strategie mit dem Namen „Telefónica Deutschland 2020“ liegt der F.A.Z. in einer Zusammenfassung exklusiv vor.

          Vernetzung von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen

          Dirks, der seit diesem Sommer auch Präsident des deutschen Digitalverbandes Bitkom ist, ist die Brisanz des Themas Datenanalyse mit Blick auf alle Fragen rund um Privatsphäre und Datenschutz bewusst: „Deshalb werden wir den Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben, die Hoheit über die Daten wird stets beim Kunden liegen“, verspricht Dirks. Es werde zahlreiche transparente Möglichkeiten zur Zustimmung und Verweigerung in Fragen der Datennutzung geben.

          Flaggen von "e-plus" und "Base" wehen am 24.02.2015 vor Beginn der Bilanzpressekonferenz vor der Zentrale von Telefonica Deutschland in Düsseldorf.

          Dies vorausgesetzt, ergäben sich aus der Analyse großer Datenmengen viele neue Ideen und Lösungen für alle Bereiche des digitalen Lebens, ist Dirks überzeugt – von der Mobilität über die Gesundheit, den privaten Konsum, bis hin zur öffentlichen Verwaltung. „Außerdem können wir die Datenmenge nutzen, um unseren Kunden immer bessere, auf sie zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen anzubieten.“

          Mit Blick auf das Internet der Dinge wiederum könne Telefónica von den Möglichkeiten profitieren, welche die Vernetzung von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen eröffne. Denn diese Vernetzung wird in vielen Fällen mit der Hilfe der aus dem Mobilfunk bekannten SIM-Karten geschehen – und damit das Kerngeschäft von O2 und E-Plus berühren. „Diese Entwicklung wollen wir branchenübergreifend mit vorantreiben“, sagt Dirks.

          Schon heute Realität

          Im Alltag kann das dazu führen, dass Autoherstellern anonymisiert Verkehrsdaten zur Verfügung gestellt werden. Oder dass einem Mietwagenunternehmen möglich werde, den Nutzern digitale Fahrtenbücher anzubieten – oder Hersteller von Kinderfahrzeugen wie Flugzeugen oder Elefanten, die häufig vor Supermärkten stehen, diese in Echtzeit überwachen können.

          Das alles ist schon heute Realität. Aber zwischen solchen Polen gibt es noch viele weitere Anwendungsfälle. Nicht zuletzt dürften solche Vernetzungs-Angebote für Maschinen- und Roboterhersteller attraktiv sein, welche die bestehenden Datensilos in der Produktion aufbrechen wollen. So will Dirks Telefónica Deutschland mit seinen Produkten näher an das alltägliche Leben der Menschen heranführen. Ein Schlagwort dafür hat man auch schon gefunden: das „Onlife“ Telekommunikationsunternehmen, das für Internet-Konnektivität sorgt und Daten analysiert.

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