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Satya Nadella : Microsoft holt den neuen Chef aus der Cloud

Satya Nadella Bild: REUTERS

Satya Nadella kommt, Steve Ballmer geht: Fast 40 Jahre gibt es Microsoft, aber nun erst den dritten Chef. Der muss das Unternehmen zu einer Macht in der Datenwolke Cloud machen. Sein Problem: Andere wollen das auch werden.

          Die Entscheidung, Satya Nadella zum neuen Vorstandsvorsitzenden von Microsoft zu machen, ist für alle Marktbeobachter mit klaren Aussagen verbunden: Microsoft wird nicht vollkommen umgekrempelt, Nadella wird den Fußstapfen seiner erst zwei Vorgänger im Amt folgen – und das Unternehmen doch mit Macht auf das Zukunftsthema der Branche schlechthin ausrichten. Die Erwartungen der gesamten Branche und wohl auch des Verwaltungsrats von Microsoft an den neuen Chef sind klar. Es geht um die besten Marktpositionen in der sogenannten Cloud, Microsoft soll sie unter der Führung von Nadella besetzen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Denn auf das Geschäft mit der Vermietung von Rechenzentrums- und Programmkapazitäten, die über Datenleitungen für Unternehmen auf der ganzen Welt zugänglich sind, setzen die Anbieter der Informationstechnologie (IT) ihre gesamt Hoffnung. Und Nadella ist der Mann, der im Hause Microsoft auf diesem Markt die meiste Erfahrung besitzt. Hinzu kommt, dass er ein Fachmann im Umgang mit Unternehmenskunden ist. Und die stehen für den Softwarekonzern trotz der X-Box-Spielkonsole oder der Personalcomputer und Laptops mit Windows-Betriebssystem in Privathaushalten für zwei Drittel des Bruttogewinns.

          So heißt es unter Nadella also „Azure“ (so der Markenname der Cloud-Aktivitäten von Microsoft) vor X-Box. Aus der Sicht des Verwaltungsrats ist das eine naheliegende Entscheidung. Schon jetzt hat es Nadella geschafft, dass die Microsoft-Angebote in der Cloud von Unternehmen als eine ernsthafte Alternative zu den entsprechenden Angeboten des Wettbewerbers Amazon Web Services wahrgenommen werden, einer Tochtergesellschaft des Online-Händlers Amazon.com, die viel zu häufig unbeachtet bleibt. Das Cloud-Produkt „Office 365“ ist wohl eines der am schnellsten wachsenden Angebote, die Microsoft bisher überhaupt auf den Markt gebracht hat. Die Zahlen stimmen deshalb auch. Zum Ende des jüngsten vollständigen Geschäftsjahres (zum 30. Juni 2013) hat Microsoft in der Cloud insgesamt 20,3 Milliarden Dollar umgesetzt, im Jahr zuvor waren es lediglich 16,6 Milliarden Dollar gewesen.

          Und dann erst die Konkurrenz: Wird in der IT-Branche über die Cloud gesprochen, ist nicht nur von Amazon die Rede, sondern auch von Salesforce.com, einem Pionier, der vor allem Programme zur Pflege von Kundenkontakten und zur Steuerung des Vertriebs frühzeitig in die Cloud gebracht hat. SAP will Salesforce.com angreifen, Oracle sowieso – und alle sind neidisch auf die Bewertung, die die Börse dem aufstrebenden Unternehmen aus San Francisco beimisst. Gemessen am Umsatz, erfreut sich Salesforce.com einer Börsenkapitalisierung, die sich mit dem Faktor 9,7 ausrechnen lässt, bei SAP sind es 4,1 und bei Microsoft lediglich 3,6. Das fordert in einer so wettbewerbsintensiven Branche zu Attacken auf. SAP hat auf dem Feld der Cloud jüngst erhebliche Investitionen angekündigt – und Nadella soll diesen Angriff nun für Microsoft anführen, mit sofortiger Wirkung, als Nachfolger von Steve Ballmer, der seinen Rücktritt schon im vergangenen August angekündigt hatte.

          Doch der Wandel geht noch weiter. Auch Mitbegründer Bill Gates wird im Zuge des Führungswechsels eine veränderte Rolle einnehmen. Er legt seinen Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrats (Chairman) nieder und wird künftig nur noch einfaches Mitglied des Gremiums sein. Wie Microsoft mitteilte, will Gates aber mehr Zeit als bislang für das Unternehmen aufwenden. Er solle Nadella dabei unterstützen, „die Richtung für Technologie und Produkte zu entwickeln“. Gates hat sich schon im Jahr 2008 aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft zurückgezogen und konzentriert sich seither auf seine wohltätige Stiftung, die er mit seiner Frau Melinda führt.

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