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Geldhäuser im Umbruch : „Die Zeiten einer Kostenlos-Konjunktur sind wohl vorbei“

  • Aktualisiert am

In „Mainhattan“ haben viele Banken ihren Sitz, auch die EZB. Bild: dpa

Banken verlangen zunehmend Gebühren für Leistungen, die sie früher kostenlos anboten. Kunden werden sich daran gewöhnen müssen, sagt ein Lobby-Vertreter. Auch wenn die Zinsen wieder steigen.

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          Vertreter der deutschen Bankenlobby gehen davon aus, dass die inzwischen zunehmend verlangten Gebühren für früher kostenlose Leistungen bleiben werden. „Die Zeiten einer Kostenlos-Konjunktur sind da wahrscheinlich schon vorbei“, sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbandes, Michael Kemmer, auf dem Branchentreffen in Berlin. Er halte dies für einen generellen Trend und fügte hinzu: Dieser Trend werde dauerhaft sein und zum Beispiel auch nicht auslaufen, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder erhöht.

          Zugleich hoffen die deutschen Banker allerdings auch, dass die EZB ihre Geldpolitik eher zeitnah strafft. Bankenverbands-Präsident Hans-Walter Peters sagte, die Institute hielten für nötig, „dass wir schnellstmöglich zu einem Umdenken kommen müssen“. Er könne nur sagen, was die privaten deutschen Banken hofften: „Dass wir bis Jahresende bei den Bondkäufen zurückgehen.“ Im kommenden Jahr, hoffen die Banker hierzulande weiter, sollten die Euro-Währungshüter dann auch die Negativzinsen wieder abschaffen. Diese belasteten die Banken in Deutschland stark.

          Draghi: Wir sind noch nicht soweit

          Robuste Konjunkturzahlen hatten unlängst neue Spekulationen aufkommen lassen, dass die EZB ihre Anleihekäufe womöglich schneller weiter zurückfährt und auch den Einsatz anderer Instrumente reduziert. Seit diesem April kauft die Notenbank Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro monatlich, zuvor waren es 80 Milliarden Euro.

          EZB-Präsident Mario Draghi mahnte an diesem Donnerstag während einer Konferenz in Frankfurt nun, keine übertriebenen Erwartungen dahingehend zu hegen. Die Währungshüter hätten noch nicht genügend Hinweise gesammelt, um ihre Bewertung der Inflationsaussichten wesentlich zu ändern, sagte er. Diese blieben nach wie vor abhängig von einem „sehr erheblichen Ausmaß“ geldpolitischer Unterstützung. „Daher ist eine Neubewertung der gegenwärtigen geldpolitischen Haltung derzeit nicht gerechtfertigt.“

          Das Zinsumfeld ist wiederum nicht die einzige Sorge, die deutsche Banker derzeit umtreibt. Auch die Regulierung sei eine Bürde. Viele komplexe Vorgaben der Aufsicht seien eine große Belastung für die Institute, vor allem für kleinere Geldhäuser, sagte der Bankenverbands-Präsident  Peters. „Eine bessere Regulierung war und ist die richtige Antwort auf die Finanzkrise.“ Diese sei aber nur wirkungsvoll, wenn sie möglichst international vereinheitlicht werde. Regulierung müsse sich zudem immer wieder daran messen lassen, ob der Aufwand die gewünschten Ergebnisse zeige. „Hier gibt es viele berechtigte Zweifel“, mahnte Peters. Deshalb müsse man die Maßnahmen immer wieder hinterfragen.

          Angesichts des Austritts der Briten aus der EU und den protektionistische Aussagen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump warb der Bankenpräsident schließlich für einen Schulterschluss der europäischen Staaten. „In einem Klima, in dem Abschottung, Re-Nationalisierung und Protektionismus zunehmend Auftrieb bekommen, gilt es Flagge zu zeigen für offenen Welthandel.“

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