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Oliver Steil : 41 Millionen Euro für den Teamviewer-Chef

Oliver Steil beim Börsengang des Softwareherstellers Teamviewer im vergangenen Herbst. Bild: dpa

In der Coronakrise ist die Fernwartungssoftware von Teamviewer noch gefragter als sonst. Vorstandschef Oliver Steil hat im vergangenen Jahr mehr Geld verdient als alle Dax-Chefs.

          3 Min.

          Während die Corona-Krise die meisten deutschen Unternehmen vor Probleme stellt, beflügelt sie Deutschlands aktuelle Börsenhoffnung, das schwäbische Softwareunternehmen Teamviewer. Der Anbieter von in der Krise besonders gefragter Fernwartungssoftware hob am Dienstag angesichts von Rekordeinnahmen im ersten Quartal den Jahresausblick an. Die guten Zahlen wurden allerdings von der Nachricht verdrängt, dass Teamviewer-Vorstandschef Oliver Steil im vergangenen Jahr mehr als das Doppelte des bestbezahlten Dax-Managers verdient hat – obwohl Teamviewer ja sogar nur im Mittelwerteindex M-Dax notiert ist. Ganze 41,3 Millionen Euro flossen dem 48-jährigen Manager zu, wie aus Teamviewers Geschäftsbericht hervorgeht.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit seiner Vergütung ist der Teamviewer-Chef der bestbezahlte deutsche Spitzenmanager der vergangenen Jahre. Auch kein Vorstandsvorsitzender der 30 Dax-Konzerne hat in seinem Amt je mehr verdient. Für Schlagzeilen hatte vor einem Jahr das Rekordgehaltspaket für den langjährigen Beiersdorf-Vorstandsvorsitzenden Stefan Heidenreich  gesorgt, nachdem bekanntgeworden war, dass er 2018 einschließlich langfristiger Boni nach der vom Corporate-Governance-Kodex empfohlenen Zuflussrechnung fast 23,5 Millionen Euro bekommen hat. So viel Geld hatte im Dax noch nie jemand zuvor auf einmal erhalten. Im vergangenen Jahr stand der frühere SAP-Chef Bill McDermott mit einem Gehalt von 15,2 Millionen an der Spitze der bestbezahlten Dax-Manager.

          Blickt man länger zurück und betrachtet auch Sonderzahlungen, findet man in Sachen Managervergütung allerdings vergleichbare und auch höhere Beträge. So hat Thomas Ebeling, der frühere Vorstandsvorsitzende der Pro Sieben Sat 1, im Jahr 2014 mehr als 27 Millionen Euro bekommen, weil er von den ausgestiegenen Private-Equity-Firmen KKR und Permira eine riesige Sonderprämie für die Wertsteigerung ihres Aktienpakets bekam.

          Unvergessen bleibt vielen auch die Vergütung für den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der damals nach Volkswagen griff. Nach einer harten Übernahmeschlacht bot ihm die Eigentümerfamilien Piëch/Porsche zu seinem Abgang im Jahr 2009 mehr als 100 Millionen Euro an, doch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat protestierten. Am Ende zog Wiedeking aber immer noch mit rund 50 Millionen Euro von dannen. Auch in den Jahren zuvor hatte er fürstlich verdient, wobei die genauen Zahlen im Dunkeln blieben, weil Porsche sie entgegen den Kodex-Empfehlungen nie veröffentlicht hat.

          Finanzinvestor Permira belohnt den erfolgreichen Börsengang

          Für die Rekordvergütung des Teamviewer-Chefs Steil waren keine Boni verantwortlich, sondern der Börsengang im vergangenen September. Denn den weitaus größten Anteil erhielt er mit 39,7 Millionen nicht von Teamviewer, sondern vom britischen Finanzinvestor Permira, der als Haupteigentümer des schwäbischen Unternehmens mit dem Börsengang Kasse machte und mehr als 2 Milliarden Euro erlöste. Doch auch das Management des Unternehmens wurde beteiligt: Die Steil zugeflossene Vergütung ergibt sich maßgeblich aus einem Beteiligungsprogramm, in das er Anfang 2018 eingestiegen war. Deshalb erhielt er durch den Börsengang als einmalige Zahlungen 7,6 Millionen Euro für den Verkauf einer indirekten Beteiligung an Teamviewer und 32,1 Millionen Euro als Teilhabe an der Wertsteigerung des Unternehmens. Teamviewer selbst zahlte seinem Vorstandsvorsitzenden „nur“ ein Festgehalt von 787.500 Euro plus Nebenleistungen, was eine Summe von 809.732 Euro ergab. Zudem erhielt Steil noch einen variablen Vergütungsanteil in Höhe von knapp 750.000 Euro. Mit diesem Gehalt bewegt er sich im M-Dax eher im Mittelfeld.

          Auch Steils einziger Vorstandskollege, Finanzchef Stefan Gaiser, wurde auf gleichem Wege beteiligt. Ihm floss eine Gesamtvergütung von 20,8 Millionen Euro zu. Rund 80 weitere Führungskräfte von Teamviewer erhielten ebenso Geld aus dem Beteiligungsprogramm, allerdings deutlich geringere Summen. Jeweils im Oktober dieses und nächsten Jahres erhalten die beiden Vorstände noch Aktien von Teamviewer, mit denen sie abermals viel Geld verdienen können: Steil wird je Tranche ein Paket erhalten, das zum jetzigen Kurs einen Wert von 76 Millionen Euro hat, das von Gaiser kommt auf 38 Millionen Euro. Angesichts der am Dienstag vorgelegten Zahlen kann es gut sein, dass diese Aktien dann noch mehr wert sind. Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit abgerechneten Umsätzen (Billings) von etwa 450 Millionen Euro, nachdem sie im ersten Quartal um 75 Prozent auf einen Rekordwert von 119,7 Millionen Euro gestiegen waren. Angekündigt hatte Teamviewer bislang nur 60 Prozent Wachstum. Auch die Gewinnprognose für das Gesamtjahr hoben die Schwaben leicht an.

          Im Umsatz schlug sich die vor allem von März an erhöhte Nachfrage noch nicht so schnell nieder, weil die Billings erst im Laufe des Jahres nach und nach als Umsätze gebucht werden. Der Erlös wuchs im ersten Quartal um 18 Prozent auf 103 Millionen Euro. Unter dem Strich allerdings verringerte sich der Gewinn von 27 auf 12 Millionen. Grund seien höhere Kosten für Werbung, Vertrieb und Verwaltung gewesen sowie, dass man einen Teil der Forderungen nicht eintreiben konnte. Steil betonte, dass der Konzern derzeit angesichts der Krise vermehrt Anfragen zum Aufschub von Rechnungen bekomme. In Bezug darauf sei man flexibler geworden. Die starke Nachfrage durch die Pandemie habe sich bis in den April hinein gehalten, sagte Gaiser. Gegen Ende April habe sie sich dann abgeschwächt und im Mai weitgehend normalisiert.

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